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Heavenly Jade Pavilion

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~*~

 

Das Ausspülen war zum Glück dann doch noch nicht ganz so nötig, aber Abends saß Touen mit Aisen
und Sobui auf dem Balkon, sah der untergehenden Sonne zu und baumelte mit nackten Beinen wieder in
Richtung Garten.

Aisen lutschte an einem Stab mit süßem O-Dango, anscheinend waren seine Unpässlichkeiten kuriert.
Sobui saß auf die Handballen gestützt leicht nach hinten geneigt im Schneidersitz und ließ sich zufrieden
die letzten warmen Sonnenstrahlen aufs Gesicht scheinen.

“Bald wird es wieder zu kalt, so draußen zu sitzen”, bemerkte Touen.

“Red nicht vom Herbst!”, nörgelte Aisen, “Herbstwetter macht mich ganz krank und gereizt. Da lauf ich
den ganzen Tag mit einer Miene durch die Gegend, dass nur noch Masos auf mich abfahren.”

Sobui lachte ungläubig, und streckte ein Bein etwas aus, hob sich wieder mehr in eine aufrechte Sitzhaltung.
“Herbst ist doch gut”, meinte er schulterzuckend, “Eine Menge Obst und Gemüse wird reif.
Es gibt Pilze und Kürbis und Süßkartoffeln”

“Die gibt es das ganze Jahr”, wiedersprach Touen.
“Ja, aber der Herbst ist die richtige Zeit dafür. Es schmeckt noch viel besser, weil man einfach weiß
dass es richtig ist. Es gibt eben Zeit für alles, für Kirschblüten, Gruselgeschichten, Kürbiskuchen essen...”

“Ich freu mich nur auf einen wunderbaren Kotatsu”, seufzte Aisen verträumt, “Einen Kotatsu und
viel Licht in meinem Zimmer. Ahh, das wird gemütlich!”, er wackelte verspielt mit den Zehen.

“Sag nichts von Gruselgeschichten, Sobui”, murrte stattdessen Touen und starrte hinunter in Richtung
Fischteich und Kiesweg, “Du warst nicht dabei als wir mit Yagarasu dieses eklige Spiel gespielt haben...
das war so schrecklich, ich konnte wochenlang danach nicht mehr schlafen..!”

Aisen lachte, “Du bist zu Harasaki ins Bettchen gekrochen, stimmts nicht, Toutou?”
“Und wenn”, Touen zuckte bewusst unberührt die Schulter und versuchte eine gleichgültige Miene
zu ziehen, “Wenn ein Geist kommt und mich bei Harasaki liegen sieht, wird er bestimmt schneller abgeschreckt”

Sobui lachte, und Aisen setzte hinzu: “Ja, da pass besser mal auf dass kein Hentai- Geist sich an deinem
unberührten kleinen Hintern vergreift!”
“Oder wenn”, lachte Sobui, “Sag ihm das kostet extra”

 

Sie hatten eine vergnügliche Zeit zusammen auf den sonnenwarmen Holzplanken, und Touen dachte mit
Wehmut daran dass der Sommer zuende ging, und die Zeit der Unbeschwertheit und des barfuß laufens.
Dass seine Kindheit zuende ging und die Stunden dafür gezählt waren.
Heute Abend wollte er auf den Planken liegen so lange es nur irgendwie ging. Er wollte vergessen
dass es morgen wurde. Die Zeit sollte still stehen.

Sobui blieb bei ihm.

Auch nachdem Aisen gegangen war, weil er noch Kunden hatte, kam Sobui nach kurzer Abwesenheit
wieder mit einer Windlampe, und stelle das flackernde Licht auf die Bretter und saß neben Touen in der
dunkler und kühler werdenden Umgebung auf dem Balkon.

Lange Zeit sagte keiner von ihnen etwas. Das Zirpen der Grillen schallte noch durch die Stille.
Über den Hügeln in einiger Entfernung ging der Mond auf.

“Ich will nicht erwachsen werden”, flüsterte Touen schließlich, er war nah zu Sobui gerückt um ein wenig
Körperwärme zu teilen, und lehnte den Kopf etwas an seine Schulter.
Sobui lächelte warm und hob eine Hand, um neckisch an immer noch leicht zerzausten, widerspenstigen
blonden Haarsträhnen zu zupfen.

“Wer will das schon”, gab er sanft zurück.

Er schlang schließlich eine Hand um Touens Schultern, zog ihn näher und rieb ihm den Arm, um die Kälte
und die bangen Erwartungen und Ängste der Nacht zu vertreiben.

Nach einer Weile hörten sie Schritte. Yagarasu kam in dunklem, sündhaft kurzen Sommerkimono auf sie zu
und zog Sobui neckisch am Ohr, ließ sich neben ihn auf die Holzplanken fallen.
“Na, füttert ihr Stechmücken?”, grinste er.

“Was machst du hier?”, wollte Sobui abwehrend, aber nicht ganz so ernst gemeint wissen.
“Kann nicht schlafen.”, seufzte der Tophustler, “Ich dachte ich komm zu euch und schau mir mit
Tou-chan den Mond an.”, er schickte ein sehr überzeichnet verführerisches Lächeln zu Touen hinüber,
das im flackernden Licht der kleinen Lampe ein wenig verzerrt geriet.
“Glaub bloß nicht, ich komm wegen dir, du zu groß geratener Shota- Verschnitt!”
“Oh, zum Glück nicht”, provozierte Sobui seufzend zurück.

“Tou-chan”, sagte Yagarasu und neigte sich über Sobui hinüber. Das Glänzen seiner weißen Zähne
im Lampenlicht gab ihm zusammen mit den langen schwarzen Haaren und dem einzigen, effektvollen dunklen
Auge fast den Anschein von einem wirklich übernatürlichen Wesen.

“Ich hab ein Geschenk für dich, zur Volljährigkeit.”
“Ah”, meinte Touen ein wenig misstrauisch, “Ich weiß nicht ob ich wissen will was es ist..?”
“Du willst, und ich hab eben auf die Uhr gesehen, es ist kurz nach zwölf- Happy Birthday”

Und er drückte ihm über Sobuis Schoß hinweg einen innigen, sanften Kuss auf die linke Wange.
Touen spürte ihn so nah bei sich, erstarrte, und hatte im nächsten Moment sein Parfüm in der Nase,
einen wilden, männlichen, etwas melancholischen Duft.

Verdattert blinzelte er ihn an, und Yagarasu grinste, den schimpfenden Sobui ignorierend.
“Willkommen im Club der großen Jungs, Tori- Vögelchen”, sagte er.
Touen hatte das Gefühl er müsste eigentlich dafür beleidigt sein. Aber sein Herz pochte unter einer
Welle von Stolz. Nach einem Kuss von dem dunklen, dem schaurigen König des Pavilions,
Yagarasu persönlich, konnte er doch noch beruhigt und wie unter einem Schutzbann, friedlich zu Bett gehen.

 

~*~