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Alles, was uns bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, die nie wieder kehrt

Chapter Text

Kapitel 7

 

„Joko…“

„Nicht. Halt einfach den Mund…“, flüsterte Joko an seinen Lippen und küsste ihn erneut. Zupfte an seiner Unterlippe. Leckte über seine Lippen. Bat um Einlass.

Jetzt war Klaas sich sicher, dass er träumte. Das konnte doch nicht wirklich passieren. Joko küsste ihn gerade nicht wirklich. Joko drückte sich gerade nicht wirklich an seinen Körper. Joko keuchte gerade nicht wirklich an seinen Lippen. Das musste er sich einbilden.

Doch als ihre Zungen sich berührten, ihre Körper sich aneinander rieben, wurde Klaas klar, dass es kein Traum sein konnte. Es fühlte sich viel zu real an. Viel zu gut. So unfassbar gut.

Klaas kam ihm nun entgegen, neigte den Kopf etwas zur Seite und intensivierte den Kuss. Er versuchte seine Hände zu bewegen, doch sie wurden immer noch von Joko fest gegen die Wand gedrückt. Erst als Klaas sie weiter bewegte, weiter versuchte sie los zu bekommen, ließ Joko ihn frei. Ließ zu, dass Klaas ihn endlich berühren konnte. Endlich seine Finger in Joko’s Haaren vergraben konnte.

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihrer Leidenschaft. Keuchend sahen sie sich an. Gerötet und völlig derangiert. Klaas räusperte sich, versuchte sich irgendwie wieder in den Griff zu kriegen, während Joko mit der Hand durch seine Haare fuhr, die Klaas ordentlich bearbeitet hatte. Dann wandte er sich ab, stand mit dem Rücken zur Tür. Einen Moment blickt Klaas ihn noch an, ehe er den ungebetenen Gast hinein bat.

„Schmitti schickt mich.“ Jakob steckte den Kopf durch die Tür, blickte überrascht zu Joko, ehe er Klaas wieder ansah. „Gut, dass ihr beide da seid. Das Meeting fängt gleich an. Wollte nur sicher gehen, dass du es nicht vergisst.“

„Ja, ich..“ Klaas räusperte sich, weil seine Stimme versagte. „Wir kommen gleich. Sag Schmitt, der soll sich mal nicht ins Hemd machen!“

Prüfend blickte Jakob ihn noch mal an, ehe sein Blick zu Joko wanderte, der immer noch mit dem Rücken zu ihm stand und nichts sagte. Ein kurzes Nicken und schon war er wieder weg.

Stille. Klaas wusste nicht, was er sagen sollte. Diese ganze Situation war so super absurd. Was war nur in Joko gefahren?

„Ich werde mich für den Kuss nicht entschuldigen“, riss Joko ihn aus seinen Gedanken. Klaas blickte auf, sah wie Joko sich zu ihm umdrehte und auf ihn zu kam. „Wir müssen über uns reden. So kann es nicht weiter gehen.“

„Wir haben jetzt dafür keine Zeit. Thomas wartet…“

Doch Joko ließ ihn nicht ausreden, ließ ihn nicht aus dieser Situation, in der er keine Kontrolle hatte. Nicht wusste, wie er sich verhalten sollte. Und keine Kontrolle zu haben, war Klaas nicht gewohnt.

„Ich hab mich von Lisa getrennt.“

Klaas musste sich verhört haben. Schon wieder machte der Winterscheidt ihn sprachlos. Warum erzählte er ihm das? Warum öffnete er eine Tür, die Klaas schon vor Jahren fest verschlossen hatte?

„Was? Nein…! Das… Warum erzählst du mir das? Warum…? Warum?“

„Du weißt warum. Wir sind schon länger getrennt, aber du hast mir ja nie die Gelegenheit gegeben etwas zu sagen. Ich hab’s ja versucht, aber du hast immer wieder abgeblockt. Mich von dir gestoßen“, sagte Joko verzweifelt, griff nach Klaas’ Oberarmen und schüttelte ihn leicht. „Aber ich halte diese Distanz zwischen uns nicht mehr aus. Ich will den alten Klaas zurück. Mit dem ich auch privat lockere Witzchen mache kann. Der in meiner Gegenwart entspannt ist.“

Klaas schluckte hart bei seinen Worten und presste die Lippen fest aufeinander. Obwohl er es so sehr wollte, konnte er seinen Blick nicht von Joko wenden.

„Aber ich will auch so viel mehr.“ Er ließ seine Hände an Klaas’ Armen herunter wandern, griff nach seinen Händen und verschränkte ihre Finger miteinander. „Ich will dich berühren, wann immer ich möchte. Ich will dich umarmen ohne das du zurück zuckst. Ich will dich neu kennen lernen.“

Klaas’ Herz raste. Sein Mund war staubtrocken. Seine Hände zitterten, obwohl Joko sie fest im Griff hatte.

„Joko…“

„Ich weiß, wir haben nicht viel Zeit. Lass uns später reden! Aber ich möchte, dass du darüber nachdenkst. Über die Möglichkeit. Von uns.“

Joko beugte sich vor und drückte ihm einen Kuss auf die Stirn. Blieb einige Sekunden in dieser Position, sodass Klaas die Augen schließen und die Nähe zu Joko einfach genießen konnte. Nur sehr langsam ließ er von ihm ab, drückte ein letztes Mal seine Hände, bevor er einen Schritt von Klaas weg trat.

„Tu mir den Gefallen und denk drüber nach! Und du kannst mit mir über alles reden. Dafür brauchst du Jan nicht.“

Stumm und sprachlos blickte Klaas ihm hinterher, als er aus dem Büro ging und ihn mit wackligen Knien zurück ließ.

 

Doch Klaas hatte damals diese Gedanken nicht zulassen können. Die Gedanken von einer Beziehung. Viel zu groß war das Risiko gewesen. Es lief gut vor der Kamera zwischen ihnen. Circus HalliGalli lief gut. Ihre anderen Shows liefen gut. Das konnte er nicht aufs Spiel setzen für eine Möglichkeit, die furchtbar schief gehen konnten. Die sehr wahrscheinlich schief gehen würde.

Joko war sprunghaft. Joko war emotional. Joko war schnell gelangweilt. Wenn er ihm damals nachgegeben hätte, wie lange hätte es wohl gedauert bis er seine Entscheidung bereut hätte? Diese Frage hatte Klaas sich Tag und Nacht gestellt. War das Für und Wieder durch gegangen. Und am Ende zu dem Schluss gekommen, dass er zu feige war um den nächsten Schritt zu gehen. Um sein Herz aufs Spiel zu setzen. Heute wusste er, dass diese Sorgen mehr als unbegründet gewesen waren. 

Klaas fuhr sich mit den Händen übers Gesicht. Trotzdem hatte er sie beide durch die Hölle gejagt. Hatte sie beide unnötig gequält, weil Klaas einfach nicht den Schritt gehen wollte.

Das Jahr 2016 war für sie beide nicht leicht gewesen. Sie hatten ‚Die Beste Show der Welt‘ ins Leben gerufen, ‚Das Duell um die Geld‘ kam unglaublich gut bei den Leuten an und war ebenfalls eine weitere Last auf ihren Schultern, außerdem war Klaas im Herbst bei Jan in dessen Show zugast gewesen. Das es Joko nicht gefallen hatte, war wohl noch untertrieben. Nach ihrer Auseinandersetzung am Anfang des Jahres hatten sie das Thema Jan eher unter den Tisch fallen lassen. Nach Ausstrahlung der Folge war es aber schnell wieder hoch gekocht.

 

Wirklich Klausi? Musste das sein?

Kurz nach halb 9. Das musste ein Rekord sein. So schnell hatte Klaas nicht mit einer Reaktion gerechnet. Bedeutete also, dass Joko die Ausstrahlung im Fernsehen nicht hatte abwarten können.

Schon den ganzen Tag war er Klaas auf die Nerven gegangen. Seit er heute Morgen das Büro betreten hatte, war der Andere ihm kaum von der Seite gewichen. Hatte immer wieder nachgefragt, wie die Sendung verlaufen war. Über was sie geredet hatten. Welches Spiel sie gespielt hatten. Ob sie nach der Sendung noch ausgegangen waren. Dabei wusste Joko ganz genau, dass weder er noch Jan der Typ für Partys war. Und telefoniert hatten sie gestern Abend auch. Doch die wenigen Antworten, die er Joko gegeben hatte, waren ihm nicht genug gewesen.

Na, wenn dir das schon sauer aufstößt, dann guck dir lieber nicht die Online Sache an.

Klaas konnte gar nicht anders, als Joko ein bisschen zu ärgern. Jan und er hatten sich nicht anders benommen als sonst. Hatten rum gealbert und Blödsinn geredet. Es hatte sich gut angefühlt. Ihn an alte Zeiten erinnert, die ewig her schienen, aber doch erst wenige Jahre zurück lagen.

Alter, das ist nicht witzig! Der fummelt ständig an dir rum und du bist auch nicht besser. Musste es dieser Anzug sein?

Das olle Ding!? Wusste gar nicht, dass du dir komische Fetische in München angeeignet hast.

Liegt an dir. Du bist mein einziger Fetisch.

Klaas zog scharf die Luft ein. Er warf das Handy aufs Bett, fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und leckte sich nervös über die Lippen. Warum musste der Winterscheidt so hartnäckig sein? Seit fast sechs Monaten war er so verdammt ehrlich. Machte aus seinen Absichten kein Geheimnis mehr und zeigte das bei jeder Gelegenheit. Nicht unbedingt vor anderen Leuten, obwohl ihn das häufig auch nicht störte.

Während Klaas weiter seine Reisetasche auspackte, erinnerte er sich an die zweite Aufzeichnung für ‚Die Beste Show der Welt‘. Am Ende war er mit Joko im heißen Whirlpool gelandet, nachdem dieser die Schmach von Finnland für Klaas noch schlimmer gemacht hatte. Wieder hatte er es nicht geschafft durch eiskaltes Wasser zu tauchen, aber Joko hatte es getan. War in Anzughose durch dieses Becken geschwommen und hatte die Aufgabe bewältigt, die für Klaas unmöglich schien. Bei einem Versuch hatte Joko sich verletzt. War mit dem Kopf an einen großen Eisklumpen gestoßen.

Nachdem Joko seine Moderation beendet, zurück zu Jeannine ins Studio geschaltete hatte, war er wieder in den Whirlpool gesunken und hatte versucht zu Atem zu kommen. Klaas hatte gewusst, wie schlimm das Gefühl war. Keine Luft zu bekommen und das schmerzhafte Zusammenziehen der Lunge. Mitleidig hatte er Joko angesehen, bevor er zischend die Luft einzog und panisch das Blut an seiner Stirn entdeckt hatte. Ohne drüber nachzudenken, hatte er die Hand ausgestreckt und wollte ihm das Blut von der Stirn wischen.

„Du bist verletzt“, hatte Klaas panisch geflüstert und mit großen Augen die Wunde auf seiner Stirn begutachtet.

Joko hatte ihn erst mit großen Augen angesehen, ehe er Klaas’ Hand gepackt und sie sanft an seine nackte Brust gedrückt hatte. Das ließ Klaas’ Herz aus einem ganz anderen Grund rasen. Hektisch sah er sich um, aber niemand schien im Moment auf sie zu achten. Er versuchte seine Hand frei zu bekommen, doch Joko ließ ihn nicht los.

„Mir geht’s gut, Hase. Lass uns lieber noch ein bisschen hier bleiben!“

So hatte er sich still schweigend gefügt. Leicht gelächelt, den Kopf geschüttelt und mit einem geflüsterten „Du bist so blöd.“ war er etwas tiefer ins Becken gesunken. Joko hatte nur gelacht, ihn mit seinen braunen Augen angestrahlt und seine Hand immer noch nicht los gelassen. Erst Jakob’s aufgebrachte Stimme, dass sie keine Zeit hatten für traute Zweisamkeit, hatte sie aus dem Whirlpool vertreiben können.

Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen hatte Klaas ganz deutlich die Bilder vor Augen. Seine Schmutzwäsche warf er in den Wäschekorb, während er den Anzug in den Schrank hing. Es war damals ein schöner Moment zwischen ihnen gewesen. Locker und ausgelassen. Auch wenn er Joko in Gedanken mehr als einmal verflucht hatte, konnte er die Fassade nicht lange aufrecht erhalten. Er war machtlos gegen einen gut gelaunten Joko.

Klaas war gerade auf den Weg ins Badezimmer um seinen Kulturbeutel auszuräumen, als es an der Tür klopfte. Er runzelte die Stirn, während er den Beutel auf dem Waschbecken liegen ließ und in den Flur ging. Wer wollte denn jetzt noch was von ihm? Er versuchte etwas durch den Türspion zu sehen, doch außer dem leeren Flur konnte er nichts entdecken. Also öffnete er die Tür.

„Machst du immer um diese Uhrzeit einfach die Tür auf?“

Joko. Er war hier. Klaas blinzelte ihn überrascht an.

„Guck doch nicht so überrascht! Ich musste dich jetzt einfach sehen“, sagte Joko, trat einen großen Schritt auf ihn zu und schloss ihn fest in die Arme. Sein Gesicht vergrub er in Klaas’ Halsbeuge und atmete tief ein. „Schick mich nicht weg!“

Die leise gehauchten Worte lösten Klaas’ aus seiner Starre. Langsam hob er die Arme und schlang sie um Joko’s Taille, erwiderte die Umarmung genauso fest. Wollte nirgendwo anders sein als hier bei Joko. Noch ganz gefangen in den Gefühlen der Erinnerung. 

„Lass mich erstmal die Tür zu machen! Müssen den Nachbarn ja nicht gleich ne Show bieten.“ Doch Joko ließ ihn nicht los, schüttelte den Kopf und drückte sich nur enger an ihn. Das ließ Klaas schmunzeln. Also dreht er sie beide leicht zur Seite, streckte eine Hand aus und ließ die Tür ins Schloss fallen.

„Vielleicht sollte ich dir jetzt beichten, dass ich Jan in die nächste Sendung ‚Duell um die Geld‘ eingeladen habe.“ Das brachte Bewegung in Joko.

„Du hast WAS??“, fragte Joko laut, als er den Kopf von seiner Schulter hob und ihn ansah. „Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich brauch nach heute nicht auch noch ’ne Live Vorstellung.“

Klaas seufzte, trat einen Schritt zurück und stemmte die Hände in die Hüften. Wenn es um Jan ging, war Joko echt streitsüchtig.

„Nu übertreibt mal nicht. Muss ich dich an die vielen Male erinnern, als der Schweighöfer in unserer Sendung war? Das war auch kaum auszuhalten. Da wirste es ja wohl einmal aushalten.“

„Das ist doch was vollkommen anderes.“

„Wenn man es genau nimmt, ist es das nicht. Also gewöhn dich schon mal dran! Jan ist dabei und fertig“, sagte Klaas endgültig, wandte sich um und ging Richtung Wohnzimmer. Er schnappte sich seine Zigaretten vom Tisch und verdrückte sich auf die Terrasse. Joko war ihm natürlich dicht auf den Fersen. Gerade als er sich eine Zigarette anzünden wollte, wurde sie ihm aus dem Mund gerissen.

„Alter!“

„Jetzt wird nicht geraucht. Das solltest du dir echt mal abgewöhnen“, sagte Joko vorwurfsvoll und nahm ihm auch gleich das Feuerzeug aus der Hand. Beides warf er hinter sich auf den Tisch, bevor er sich Klaas wieder zuwandte. „Kriegste eben deinen Willen! Jan kann kommen, aber ich behalte euch im Auge. 

„Hätte auch nix anderes von dir erwartet,Winti.“

„Klugscheißer!“

Joko grinste ihn an, schien jetzt schon viel ruhiger als bei seiner Ankunft zu sein. Diesen Effekt hatten sie aufeinander, schon immer gehabt. War der Eine aufgebracht, brauchte es nur wenige Minuten miteinander, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Klaas liebte diese Verbindung zwischen ihnen. Wollte sie mit allem, was er hatte, beschützen. Deswegen fiel es ihm so schwer die letzten Barrieren einzureißen. Die letzten Hürden zu überwinden.

Joko hatte damit allerdings keine Probleme. Hatte ihm klar und deutlich zu verstehen gegeben, was er wollte. So auch jetzt. Er legte Klaas eine Hand in den Nacken, brachte sie wieder näher zueinander und sah ihm fest in die Augen. 

„Ich fliege morgen früh zurück nach München. Hab noch ein paar Termine, die ich bis Montag erledigen muss. Zur Aufzeichnung bin ich aber pünktlich da.“ Seine Stimme war leise, ging fast in den Geräuschen des Abends unter. „Ich musste dich heute Abend aber einfach noch mal sehen. Es hätte mich wahnsinnig gemacht dich erst Montag wieder zu sehen.“

Klaas leckte sich unbewusst über die Lippen, lenkte Joko’s Blick auf diese Bewegung, sah daraufhin das Flackern in den braunen Augen.

„Is’ ok. Kannst jederzeit vorbei kommen. Weißt du doch“, antwortete Klaas genauso leise, legte seine Hand auf Joko’s Brust, wo er sein wild schlagendes Herz spüren konnte.

„Ich bin wirklich froh das zu hören.“

Und dann küsste er Klaas einfach. Stellte seine Welt erneut auf den Kopf. Riss eine weitere Mauer ein. 

 

Joko war die Nacht über geblieben. Sie hatten die Sendung gemeinsam noch einmal im Fernsehen angeschaut. Sie hatten geredet. Sie hatten zusammen in seinem Bett geschlafen. Sie hatten am nächsten Morgen zusammen gefrühstückt, bevor Joko dann doch los musste. Sie hatten es bis auf die letzte Minute hinausgezögert und es war furchtbar ihn gehen zu lassen. Dabei waren sie nur Freunde gewesen. Hatten immer noch nicht definiert, was das zwischen ihnen sein sollte. Denn Joko hatte ein Leben in München

Im Jahr 2015 war er dort hin gezogen. Aus Liebe zu Lisa. Das es damals schon in der Beziehung gekriselt hatte, hatte Joko niemandem anvertraut. Es war ein letzter Versuch gewesen das Private vom Beruflichen zu trennen. Jedoch hatte es ihre Arbeit erheblich erschwert. Joko musste zwischen Berlin und München pendeln, wenn sie ‚Circus HalliGalli’ aufzeichneten. Er war müde. Immer auf dem Sprung. Gestresst. Klaas hatte es fertig gemacht, aber ihm waren die Hände gebunden. Er war nicht mutig genug gewesen einen Schritt auf den Anderen zu zu machen.

Klaas klickte sich weiter durch seine neuen Ordner. Aber es war nicht immer so zwischen ihnen gewesen. Vor dem Jahr 2016 hatte er die Distanz ganz häufig nicht aufrecht erhalten können. Im normalen Alltag war es kein Problem. Joko hielt sich genauso wie er zurück. Doch sobald es feucht fröhlich wurde, sah die Sache schon anders aus. Die verschiedenen Partybilder, die ihn und Joko in allen möglichen Stadien der Betrunkenheit zeigten, waren der eindeutige Beweis. Ganz schlimm war es bei ihrem Wechsel zu ProSieben verlaufen. Nicht nur, dass sie das Staffelfinale von ‚Neo Paradise‘ und die neue Sendung feierten, auch Joko‘s Geburtstag lag nur wenige Tage zurück.

 

Die Party war in vollem Gange.

„KLAUSI? KLAUSI? Hat jemand Klausi gesehen?“, halte Joko’s lallende Stimme durch die Bar. Alle ihre Mitarbeiter sowie Freunde und Bekannte der Sendungen waren gekommen um ihren großen Moment zu feiern. Endlich war ihnen der Sprung zu einem richtig großen Sender gelungen. Niemand hatte vor 4 Jahren erwartet, dass das irgendwann mal passieren würde.

„KLAUSI?“

Wieder ertönte Joko’s Stimme. Klaas seufzte leise in sein Bier. Er saß mit Olli und Palina an einem der hinteren Tische und malte Traumschlösser für die neue Sendung. Was sie alles erreichen wollten. Was sie alles umsetzen wollten. Der Abend war schon weit fortgeschritten, aber mit dem Alkohol hatte Klaas sich bis jetzt zurück gehalten. Im Gegensatz zu Joko.

„KLAUSI?“

„Ich glaube da sucht dich jemand“, sagte Olli schmunzelnd und deutete mit seiner Flasche hinter Klaas. Trotz der lauten Musik war es tatsächlich nicht zu überhören, dass Joko nicht so schnell von seiner Suche abzubringen war. Klaas setzte gerade zum Trinken an, als sich von hinten zwei Arme um seinen Hals legten.

„Da biste ja. Hab dich gesucht..“

Er konnte Joko nicht sehen, aber die Blicke von Palina und Olli sagten ihm alles. Klaas setzte die Flasche auf dem Tisch ab und versuchte über die Schulter den Anderen anzusehen. Er konnte spüren, wie Joko seine Arme fester um ihn legte und seine Wange auf seiner Schulter ablegte. Er spürte heißen Atem in seinem Nacken und versuchte keine Reaktion zu zeigen. Ein anhänglicher Joko war eine Katastrophe für seinen Seelenfrieden.

„Jetzt haste mich ja gefunden. Gibt’s ein Problem?“

„Nein, alles gut.“

Klaas zog eine Augenbraue hoch.

„Kannst du mich dann los lassen?“

„Nö!“, nuschelte Joko an seinem Nacken und fast wäre Klaas zusammen gezuckt, als er warme Lippen auf seiner Haut spürte. Oder hatte er sich das eingebildet?

„Wie nö? Alter, such dir einen anderen Ort zum Schlafen!“

„Bist aber so schön bequem.“

Klaas seufzte ergeben und gab es auf mit Joko in seinem Zustand diskutieren zu wollen. Sollte er halt seinen Willen haben. Als er sich wieder seinen Gesprächspartnern zu wandte, blickte er in grinsende Gesichter.

„Jaja, macht euch nur lustig!“