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Alles, was uns bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, die nie wieder kehrt

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Kapitel 6

 

Verzweifelt blickte Klaas auf sein Handy. Wieso nahm Joko nicht ab? Es war doch erst wenige Minuten her, dass er das Bild online gestellt hatte. Quälte er ihn absichtlich? Der konnte was erleben, wenn er denn endlich mal zu erreichen war.

„Ist alles ok?“

Er blickte auf, als Jakob im Türrahmen erschien und ihn besorgt musterte. Jetzt wurde ihm auch wieder klar, dass er einfach so aus dem Meeting gestürmt war. Solch peinliche Aktionen waren sonst nicht sein Stil. Dieser verdammte Winterscheidt würde ihn noch wahnsinnig machen.

„Ich weiß nicht. Ich kann Joko nicht erreichen“, sagte Klaas schließlich und fuhr sich nervös durch die Haare.

„Oh. Ist denn was passiert? Ich dachte, der ist drüben bei Paul. Ist es da nicht mitten in der Nacht?“

„Ja schon, aber…Joko hat gerade dieses Bild gepostet und… ich… also… Ich muss mit ihm sprechen, ok?“

„Wir können 15 Minuten Pause machen, wenn dir das hilft. Ich bin sicher er meldet sich, wenn er gesehen hat, dass du angerufen hast“, versuchte Jakob ihn zu beruhigen, während er sich mit einer Hand über den Bart fuhr.

Stumm starrte Klaas auf sein Display. Wie oft er versucht hatte Joko zu erreichen, konnte er schon gar nicht mehr sagen. Aber ihm wurde klar, dass der Andere sich so schnell nicht zurück melden würde. Dass er so schnell keine Antwort erhalten würde.

„Gib mir 5 Minuten!“

Jakob nickte zustimmend, verließ den Raum und schloss die Tür um ihm einen Moment der Ruhe zu geben. Sobald diese sich geschlossen hatte, ließ er sich seufzend auf das Sofa sinken.

Klaas hatte gewusst, dass es eine scheiß Idee gewesen war. Sein Gefühl hatte ihn nicht getrügt. Er wollte Joko nicht kontrollieren. Das war das Letzte, was er wollte, aber eine kleine Unsicherheit blieb. So kannte er sich eigentlich nicht. Aber bei Joko’s Vergangenheit und alles, was er mit erlebt hatte, konnte man ihm das wirklich verübeln? Sie standen gerade mal am Anfang. Waren noch nicht so lange offiziell zusammen und ein Gefühl der Unsicherheit schlich sich immer häufiger in seine Gedanken.

Er warf das Handy neben sich, stützte seine Ellbogen auf den Oberschenkeln ab und raufte sich die Haare. Er wollte sich nicht so fühlen. Er wollte Joko keine bösen Absichten unterstellen, denn das lag einfach nicht in der Natur des Anderen. Er war locker, nahm die Dinge wie sie kamen und dachte manchmal nicht über die Konsequenzen nach.

Der Signalton des Handys riss ihn aus seiner Verzweiflung. Mit rasendem Herzen griff er danach und schaute aufs Display.

Doch es war nicht Joko.

Sag mal, Klausi, schon Ärger im Paradies? Was musste ich da auf Instagram sehen?

Jan. Klar, dass ausgerechnet der das Bild gesehen haben musste. Als einer der wenigen außerhalb ihrer Firma wusste Jan über sie bescheid. Jan war, wenn man es so wollte, das Gegenstück zu Matthias. Sie kannten sich seit ihrer gemeinsamen Zeit bei Harald Schmidt. Als Jan zum Team dazugekommen war, hatten sie schnell gemerkt, dass sie auf einer Wellenlänge lagen. Interessierten sich für die gleichen politischen Themen. Teilten die Leidenschaft fürs Singen. Teilten den gleichen Sinn für Humor. Jan kannte seine Geheimnisse. Die meisten zumindest. Klaas wusste, dass er ihm vertrauen konnte, auch wenn sie sich in letzter Zeit mehr und mehr aus den Augen verloren hatten. Sie telefonierten zwischendurch oder schrieben sich eben Nachrichten. So wie jetzt.

Klappe, Böhmermann. Joko macht Urlaub bei Paul. Wollte mich nicht bei den Vorbereitungen für LNB stören.

Und das stört dich nicht? Junge, Junge, wusste gar nicht, dass ihr so eine Beziehung führt.

Hast du heute einen Clown gefrühstückt? Kümmer dich um deinen Kram! Gibts aktuell keinen Politiker, den du nerven kannst?

Für mein Lieblingspärchen hab ich immer Zeit. Ruf an, wenn du reden willst!

Danke.

Klaas wusste die Geste zu schätzen. Sie waren beide nicht so die emotionalen Typen. Konnten nicht immer in Worte fassen, was sie bewegte. Aber sie waren füreinander da, wenn es kritisch wurde. Ein bisschen wie mit Joko, aber mit weniger Anziehungskraft.

Den Kugelschreiber in seiner Hand drehend, erinnerte Klaas sich daran, dass Joko sich an diesem Morgen natürlich nicht mehr gemeldet hatte. Am Abend telefonierten sie und das die Stimmung angespannt war, war noch bei weitem untertrieben. Joko musste seinen Rausch ausschlafen nach der harten Partynacht und rief ihn erst an, als Klaas gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war. Seine Stimme klang müde und rau. Als wäre er gerade erst wach geworden.

„Verdammt, Klaas! Sag doch was!“, flehte Joko ihn schon fast an, als er einfach nur stumm seinen Erklärungen lauschte. Das er gar nicht so besoffen gewesen war. Das er es eine witzige Idee gefunden hatte, weil man ja gar nix sehen konnte auf dem Foto. Das er wegen der Radtour vergessen hatte sein Handy zu laden. Das er ihn direkt zurück gerufen hatte, als er nach dem Aufwachen seine Nachrichten gecheckt hatte.

Ein Signalton kündigte einen weiteren Anruf an. Klaas nahm das Handy vom Ohr und sah auf’s Display.

„Jan ruft gerade an. Wir können morgen telefonieren.“

„Fuck, nein. Du gehst da jetzt nicht dran. Wir klären das jetzt.“

„Ach, plötzlich willst du reden? Seit wann stehst du auf Diskussionen?“

„Hab ich von dir gelernt. Selber schuld. Ich hab keinen Bock auf Spannungen. Ich bin gerade erst hier angekommen. Ich will nicht, dass ein dummes Missverständnis..“

„Missverständnis? Du denkst, darum geht es hier?“, unterbrach Klaas ihn grob. Jan hatte es mittlerweile aufgegeben ihn zu erreichen.

„Ich.. keine Ahnung. Geht es dir nicht darum? Das ich das Bild gepostet habe?“

Klaas lachte humorlos auf und schüttelte den Kopf. Er wusste nicht, ob er weinen oder fluchen sollte. Das Joko nicht mal wusste, wo das Problem an der ganzen Sache lag, schmerzte richtig. Wo war ihr Verständnis füreinander geblieben? Wo war ihre stumme Kommunikation? Kannten sie einander nicht in- und auswendig?

Er lief zur Küche und griff sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Nach einem großen Schluck aus der Flasche, atmete er tief durch.

„Klaas…“, kam es leise aus dem Hörer, denn Joko hatte mit Sicherheit gehört, wie er die Flasche geöffnet hatte.

„Es geht nicht darum, dass das verdammte Bild jetzt da draußen ist. Ich kenn dich. Scham ist für dich ein Fremdwort.“ Er nahm einen weiteren großen Schluck aus der Flasche. „Dir macht es nix aus, dass die Öffentlichkeit es sieht. Hast schon schlimmere Auftritte gehabt.“

Klaas biss die Zähne aufeinander. Sein Griff festigte sich um den Flaschenhals, als er die Augen schloss, den Kopf senkte und die Flaschenöffnung gegen seine Stirn drückte.

„Aber das du dich nackt vor Paul und wer weiß wem zeigst… Hast du auch nur eine Sekunde an mich gedacht, als ihr die Bilder gemacht habt?“

Leise war seine Stimme. Fast schon ruhig. Hätte nicht deutlicher sein können, wenn er laut geworden wäre.

„Das… Ich hab nicht gedacht, dass dir das was ausmacht. Ich…“ Joko räusperte sich. „Paul hat mich schon öfter nackt gesehen. Es war nichts dabei.“

Klaas stellte die Flasche auf dem Tisch ab und starrte aus dem Fenster. Die Sonne stand hell am blauen Himmel, obwohl es schon spät am Abend war.

„Siehst du! Das ist der Unterschied zwischen uns beiden. Ich nehme diese Beziehung ernst. Du bist noch nie…“

„Stopp! Nein! Sag’s nicht! Es hat nichts damit zu tun, dass ich noch nie mit einem Mann zusammen war. Hier geht es um uns und ich hab mal wieder nicht nachgedacht.“

„Wie oft soll ich diese Ausrede noch gelten lassen?“

„Das ist keine Ausrede! Ich weiß, dass ich manchmal zu locker bin und mir über viele Dinge nicht so die Gedanken mach. Ich musste mich vorher nie damit auseinander setzen wie ich mit anderen Männern umgehe. Das war nie ein Thema.“

„Zeigt doch nur, dass du noch nicht so weit bist!“

„Verdammt, jetzt hör doch mal auf damit! Ich liebe dich! Ich will mit dir zusammen sein. Stell doch nicht direkt alles in Frage!“

Klaas biss sich auf die Unterlippe. So fest, dass es schmerzte. So fest, dass es ihm die Tränen in die Augen schoss.

„Ich kann nicht anders…“

„Was? Warte!“ Rascheln und Gepolter auf der anderen Seite der Leitung. „Paul jetzt nicht!“, hörte er Joko’s Stimme von weiter weg. Ein weiterer Moment verging. Klaas spürte sein Herz rasen. Seine Hände zitterten. Er ging rüber ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen. Nach einem weiteren großen Schluck aus der Flasche, legte er den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Klaas fühlte sich überfordert mit der Situation. Hilflos. Unbeholfen. Er wusste nicht, wie er mit diesen widersprüchlichen Gefühlen umgehen sollte.

„Hör zu! Es tut mir leid. Es tut mir mega leid, okay? Ich kann nicht in Worte fassen, wie scheiße ich mich gerade fühle, weil tausende Kilometer zwischen uns liegen und ich dich nicht in die Arme schließen kann. Weil ich dir mit Worten nicht klar machen kann, wie viel mir das zwischen uns bedeutet. Du hast keinen Grund unsicher zu sein. Du hast keinen Grund alles in Frage zu stellen. Ich gehöre dir. Zu eintausend Prozent!“

Verzweiflung. Reine Verzweiflung kam ihm übers Telefon entgegen. Er glaubte Joko. Er glaubte ihm jedes Wort. Er konnte gar nicht anders. Es änderte aber nichts an der Tatsache, dass er diese Gefühle hatte. Diese Unsicherheit. Diese… Eifersucht verspürte.

„Klausi. Ich liebe dich. Ich hab alles für dich aufgegeben. Das setz ich doch jetzt nicht so einfach aufs Spiel. Ganz so blöd bin ich dann doch nicht.“

Das brachte Klaas nun doch zum Lachen. 

„Was soll ich nur mit dir machen?“

„Liebe mich einfach!“

„Das tu ich“, flüsterte Klaas leise mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.

 

Nach diesem Telefonat hatte sich einiges geändert. Klaas konnte gar nicht mehr sagen, wie viele Nachrichten er danach aus dem Urlaub von Joko bekommen hatte. Er fühlte sich umworben. Geliebt. Auf jeden Fall war die Unsicherheit geschrumpft. Doch er war nicht der Einzige in dieser Beziehung, der manchmal einen Anflug von Eifersucht empfand.

Klaas erinnerte sich mit einem Schmunzeln an das Jahr 2016. Wieso er sich da so genau dran erinnerte? Er hatte Jan wohl einiges zu verdanken. Dieser hatte Joko Anfang des Jahres in seine Sendung eingeladen. Joko hatte sich darüber sogar gefreut. Hatte Klaas richtig begeistert von der Einladung nach Köln erzählt. Ob es im Nachhinein Fluch oder Segen war, hing wohl davon ab, wen man danach fragte.

 

„Hat jemand was von Joko gehört?“, fragte Klaas in die Runde, als er am Morgen die Redaktionsräume betrat und an den Schreibtischen vorbei zu seinem Büro ging. Allgemeines Kopfschütteln. Seltsam. Vielleicht hatte Thomas ja was gehört. Stirnrunzelnd änderte er die Richtung und machte sich auf den Weg zu dessen Büro. Ohne anzuklopfen öffnete er die Tür und wollte Thomas die gleiche Frage stellen, als er Jakob auf dessen Sofa erblickte. Der winkte ihm gut gelaunt zu.

„Morgen Klausi!“

„Morgen!“, antwortete er etwas verwirrt und wandte seinen Blick zu Thomas, der hinter dem Schreibtisch hockte und an einer Kaffeetasse nippte. „Hat sich…“

„Ob Joko sich gemeldet hat? Nein. Bei mir nicht. Jakob?“

Der Angesprochene schüttelte allerdings nur den Kopf, was Klaas ein Seufzen entlockte. Er machte sich keine Sorgen um Joko, aber das war normalerweise nicht seine Art. Nach jedem TV Auftritt, den sie getrennt machten, telefonierten sie oder schrieben sich zumindest ein paar Nachrichten. Aber gestern Abend: Funkstille. Jan hatte sich auch nur mit wenigen Worten bei ihm gemeldet. Genauso mysteriös wie Joko’s Schweigen.

Hättest mich ja mal vorwarnen können. So kenn ich den gar nicht.

Danach hatte Jan ihm nicht mehr geantwortet. Was wollte er ihm damit sagen? Was zum Teufel war denn passiert? Die Sendung würde leider erst heute Abend ausgestrahlt werden, sodass Klaas nicht den Hauch einer Ahnung hatte, was vorgefallen war.

Schweigend stand Klaas im Türrahmen. Das machte Thomas und Jakob so skeptisch, das sie einen schnellen Blick austauschten, ehe Jakob sich mit einem Räuspern bemerkbar machte.

„Sein Flug sollte gegen 10 Uhr landen. Ich bin sicher, er wird sich danach direkt auf den Weg hier her machen“, sagte Jakob und verbarg sein Schmunzeln hinter der Hand, während er über seinen Bart strich.

„Ja gut, dann… Ich geh dann mal in mein Büro.“

„Vergiss das Meeting um 11 nicht!“, erinnerte Thomas ihn.

„Jaja..“

Klaas schloss die Tür und blieb noch einige Sekunden mit der Klinke in der Hand stehen. Nachdenklich sah er auf den Boden. Was war gestern in Köln passiert, dass Joko sich nicht bei ihm gemeldet hatte? Und was hatte diese Nachricht von Jan zu bedeuten? Er kramte sein Handy aus der Tasche. Immer noch keine neue Nachricht. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es noch etwas länger als eine Stunde dauern würde bis er eine Antwort erwarten konnte.

Also machte er sich auf den Weg in sein Büro, blieb hier und da noch an einem Schreibtisch stehen um ein paar Dinge für die nächste Show zu besprechen. Das lenkte ihn ab. Ließ ihn nicht so viel nachdenken. Wenn er sich auf die Arbeit konzentrierte, hatte er keinen Zeit irgendeinen Schwachsinn in die Situation zu interpretieren. Oder sich über Joko’s Verhalten zu wundern.

Im Pausenraum holte Klaas sich noch einen Kaffee und einen Joghurt aus dem Kühlschrank, bevor er endlich sein Büro betrat. Den Rucksack warf er auf einen Stuhl, seine Jacke direkt darauf, schmiss sich mit Elan auf den Schreibtischstuhl und fuhr den Pc hoch. Er rieb die Hände aneinander, nahm einen großen Schluck aus seiner Kaffeetasse und ging die Termine für die nächsten Tage durch, während er den Joghurt löffelte.

Die MAZen für Montag standen. Er verzog das Gesicht, als er an die Doppelpass MAZ denken musste. Joko hatte seinen Spaß gehabt, als Klaas sich vor ganz Fußball Deutschland zum Horst gemacht hatte. Diesen Montag würde das komplette Video in ihrer Show laufen. Kein Moment, den Klaas herbeisehnte. Er würde im Boden versinken vor Scham.

Das Mitarbeiterportrait von Frank wollte er heute Nachmittag aufzeichnen. Dafür war bereits alles vorbereitet und ihr langjähriger Mitarbeiter auch schon eingeweiht.

Sabine’s unnötig, kompliziertes Interview mit Jack Black würden sie morgen Vormittag aufzeichnen. Der Schauspieler war in Berlin um einen Animationsfilm zu promoten.

Den Termin fürs Humorseminar musste er noch bestätigen. Auf diese Aktion freut er sich am Meisten. Das würde ein guter Tag werden.

Das Interview am Montag mit Sacha Baron Cohen würde wie üblich Joko führen. Seine lockere Art mit den internationale Gästen umzugehen hatte ihnen schon so manchen neuen Gast beschert. Es sprach sich in der Branche rum wie spontan und kreativ ihre Interviews waren. Leider nicht immer im positiven Sinne. Aber das war nun Mal Teil ihres Konzepts. Sie wollten nicht wie die Anderen sein. Keine 0-8-15 Fragen stellen. Damit gingen sie jedes Mal ein Risiko ein, aber meistens war es das wert. Stars wollten in ihre Show, gerade weil sie anders waren. Weil sie neue Wege suchten.

Gerade als Klaas aufstehen wollte, um sich einen neuen Kaffee zu holen, wurde seine Tür mit Schwung aufgerissen. Er zuckte heftig zusammen, ließ dabei fast die Tasse fallen und hielt sich am Schreibtisch fest. Sein Blick fiel auf einen alles andere als gut gelaunten Joko.

„Alter! Erschreck mich doch nicht so! Was ist denn mit dir los?“

„Was läuft da mit Jan?“

Klaas blinzelte verwirrt angesichts dieser Frage. Angesichts von Joko’s ernstem Tonfall.

„Was?“

Diese Reaktion schien den Anderen nur noch wütender zu machen. Mit nicht weniger Schwung als zuvor wurde die Tür zu geschlagen. Joko ging zwei große Schritte auf ihn zu, nahm ihm die Tasse aus der Hand und knallte sie auf den Tisch.

„Spiel keine Spielchen mit mir, Heufer Umlauf! Ich will wissen, was da läuft. Ihr seid doch nicht nur Freunde. Das kannste deiner Oma erzählen.“

„Was?“

Zu mehr war Klaas nicht imstande, denn diese ganze Situation war absurd. So absurd. Was war nur in Joko gefahren? Natürlich machte seine Verwunderung Joko nur noch ungehaltener.

„Ey, jetzt sag endlich was! Weißt du eigentlich, was ich gestern alles ertragen musste? Wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet, wäre ich doch niemals da hin gefahren. Ständig ‚Klaas hat mir letztens erst das erzählt’ und ‚Klausi sieht das genauso wie ich‘ und ‚Klausi und ich müssen mal wieder zusammen auf Tour gehen‘. Also frag ich dich noch mal: Was läuft da mit ihm?“

Klaas glaubte zu träumen. Lag er noch Zuhause in seinem Bett? Würde sein Wecker jeden Moment klingeln? Oder hatte wer was in seinen Kaffee getan? War der Joghurt abgelaufen?

Nervös fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, blickte überall hin nur nicht zu Joko, der direkt vor ihm stand und auf eine Antwort wartete.

„Ich weiß nicht, was du jetzt von mir hören willst. Und wenn es so ist? Jan und ich haben eine gemeinsame Vergangenheit. Das weißt du doch. Was machst du denn hier für einen Aufstand? Sind wir nicht stillschweigend übereingekommen, dass wir über private Sachen nicht mehr reden?“

„Wir…Was… Das… Nein! Wann haben wir das denn gesagt? Nur weil du jedes private Gespräch abblockst, werde ich das Thema sicher nicht tot schweigen.“

„Warum nicht? Hat doch bisher super geklappt.“

„Für dich vielleicht. Mich macht es kaputt. Ich kann nicht immer so tun, als wäre alles in bester Ordnung. Denn das ist es nicht“, gab Joko leise zu und griff nach Klaas’ Hand, aber dieser entzog sich ihm direkt. Was Joko erneut wütend machte. „Und dann muss ich mir von Jan anhören, dass du mit deinen Problemen zu ihm rennst. Weißt du, wie ich mich da gefühlt hab?“

„Wo ist das Problem? Ist doch klar, dass ich damit zu Jan gehe. Der kennt mich eben besser als irgendwer sonst.“

Dieser Satz schien nun das Fass zum Überlaufen zu bringen. Joko knurrte wütend, griff erneut nach Klaas’ Händen und ließ dieses Mal nicht zu, dass er sich ihm entzog. Mit mehr Wucht, als er wahrscheinlich beabsichtigt hatte, drückte er Klaas an die Wand und stand wütend über ihm, nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt.

Das erste Mal seit Joko sein Büro betreten hatte, blickte Klaas ihm in die Augen. Müde sah er aus, als hätte er die halbe Nacht nicht geschlafen. So viele Emotionen flackerten in den braunen Augen, die Klaas’ Herz rasen ließen. Stumm stand er da und ließ sich von Joko an die Wand drücken.

„Niemand kennt dich besser als ich“, hauchte Joko gegen seine Lippen, bevor er seine Welt mit einem einzigen Kuss auf den Kopf stellte.