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Alles, was uns bleibt, ist die Erinnerung an eine Zeit, die nie wieder kehrt

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Kapitel 3

 

Das Joko’s Reaktion ihn damals überrascht hatte, war noch untertrieben. Er war sich so sicher gewesen, dass er diskret gewesen war. Dass er sich nichts hatte anmerken lassen. Doch wie vom ersten Augenblick an hatte Joko es geschafft ihn zu verblüffen.

 

Jeder Schritte fühlte sich zentnerschwer an. Seine Körper rebellierte gegen jede Bewegung. Er wollte das nicht. Er wollte dieses Gespräch nicht mit seinem Kollegen führen. Im Grunde war das viel zu persönlich. Viel zu privat für das Verhältnis, welches sie aktuell hatten. Doch so ungerne er es auch zugab: Thomas hatte recht. Die bevorstehende Gumball Rallye würde Spannungen entstehen lassen, wenn sie nicht darüber sprachen. 

Joko hockte immer noch im Sand. Die Arme abgelegt auf seinen Knien und blickte hinaus aufs Wasser. Immer noch tummelten sich zahlreiche Menschen am Strand und genossen das warme Wetter. Der Typ mit dem Handy war zum Glück nirgends zu sehen. Was eher sein Glück war.

Langsam näherte Klaas sich dem Anderen. Schräg hinter ihm setze er sich in den Sand und streckte die Beine von sich. Joko warf einen kurz Blick über seine Schulter, blickte ihn an, wandte seinen Kopf aber direkt wieder dem Wasser zu.

„Ich kann nicht glauben, dass wir verloren haben.“

„Ich weiß. Tut mir leid..“

„So war das doch nicht gemeint. Das war ne scheiß Aktion. Ich kann verstehen, dass du es nicht machen wolltest“, beschwichtigte Joko ihn sofort und ließ sich ebenfalls nach hinten in den Sand sinken. „Ich meine.. Fuck.. Als dieser Typ da mit dem Handy ankam. Musste echt nicht sein.“

„Stimmt. Das war.. echt ne miese Nummer.“ Klaas sengte den Kopf und starrte auf den Sand zwischen seinen Beinen. „Ich wollte aber eigentlich über was anderes mit dir sprechen.“ Er räusperte sich. Presste die Handflächen aneinander. Biss sich auf die Unterlippe. Fand einfach nicht die richtigen Worte um anzufangen. „Es gibt einen Grund, warum mir das so unangenehm ist. Nicht nur bei fremden Menschen.. Ich meine, diese ganze Gefühlssache und so weiter ist nicht mein Ding. Hast du wahrscheinlich schon gemerkt.“ Nervös fuhr Klaas sich mit einer Hand durchs Haar. Ließ sie dort liegen. „Normalerweise gibt es für mich auch keinen Grund mich zu rechtfertigen, aber bei dieser Sache solltest du wahrscheinlich wissen…“

„Klaas!“

Er stockte und blickte Joko an, der sich alles schweigend angehört hatte. Dabei hatte er nicht mal bemerkt, dass er sich Klaas zugewandt hatte.

 

„Du musst mir nichts erklären. Ich.. Ich weiß es schon länger.“

Heute könnte er nicht mehr sagen, was er erwartet hatte. Aber das es am Ende tatsächlich raus war, tatsächlich nicht mehr zwischen ihnen stand, hatte ihm eine große Last von den Schultern genommen.

Die damaligen Drehs wären aus heutiger Sicht lächerlich einfach für sie. Zusammen konnten sie mittlerweile jede Aufgabe bewältigen. Schon lange war es nicht mehr Joko gegen Klaas. Egal, ob es ‚Duell um die Welt‘, ‚Die Beste Show der Welt‘ oder schlußendlich ‚Joko und Klaas gegen ProSieben‘ hieß. Sie waren ein Team. Es hatte lange gedauert, aber im Endeffekt konnte sich niemand zwischen sie drängen.

Ein schriller Alarmton riss Klaas aus seinen Gedanken. Er blickte neben sich aufs Handy. Eine neue Nachricht von Joko.

Stehen gerade in Nürnberg am Bahnhof. Noch 3 Stunden Fahrt. Was freu ich mich auf dein Gesicht, Hase.

Klaas konnte gar nicht anders, als breit zu lächeln. Es war viel zu lange her, dass sie sich persönlich gegenüber gestanden hatten. Immer nur Facetime war einfach keine gute Alternative zum realen Joko. Doch dieser musste sich natürlich von einem Projekt ins Nächste stürzen. Neue Aufgaben finden. Sich neue Ziele stecken. Da war nicht viel Platz für Klaas.

Wird aber auch mal wieder Zeit, dass du dein Gesicht in Berlin zeigst. Hoffe du bist bereit für die Aufgabe.

Bereit geboren. Die Aufgabe schaffen wir mit links.

Das will ich doch hoffen. Hauptsache du bist nicht zu abgelenkt von deinen ganzen Projekten.

Ach Klausi. Wie könnte ich an was anderes denken, wenn du bei mir bist?

Alter Schleimer.

Als Antwort bekam er ein rotes Herz von Joko.

Schmunzelnd schüttelte Klaas den Kopf und legte das Handy wieder beiseite. Noch 3 Stunden. Mit der Fahrt bis zum Büro würden wohl noch mal dreißig Minuten drauf kommen. Also genug Zeit noch ein bisschen an seinem Chaos zu arbeiten.

So viele Foto’s. Unzählige Foto’s tummelten sich auf seinem Desktop, in unterschiedlichen Ordnern. Teilweise beschriftet, teilweise mit irgendwelchen komischen Zahlenkombinationen. Er sah sich die Bilder also an, packte sie in den entsprechenden Ordner. Ohne sie neu zu beschriften. Das konnte er schließlich irgendwann anders mal machen.

Hier und da blieb er an einem Foto hängen. Sah es sich genauer an. Lächelte, verzog verschämt das Gesicht oder lachte laut auf. Manche Momente waren ihm entfallen. Waren über die Jahre in Vergessenheit geraten. Da musste er der Redaktion ja fast dankbar sein, dass sie alles mögliche festgehalten hatten.

Es war wohl keine Überraschung, dass die Momente aus ‚Joko und Klaas gegen ProSieben‘ ihm am ehesten im Gedächtnis geblieben waren. Und das bezog sich nicht nur auf die On Camera Momente.

Klaas spürte seine Ohren heiß werden, als er an eines der Spiel aus der ersten Staffel dachte. Rückenlose Anzüge und harte Gegenstände. Wer sich dieses Spiel ausgedacht hatte, hatte wohl nicht mit den Folgen gerechnet. Natürlich war es sowohl für ihn wie auch für Joko richtig hart gewesen. Die ersten Gegenstände waren ja noch human. Über den Crêpe mit Schoko konnte Joko sich auf jeden Fall nicht beschweren. Als Steven ihm allerdings den Klappstuhl reichte, wusste Klaas schon wie das Enden würde.

 

Joko war so richtig schlecht gelaunt. Konnte Klaas ihm nicht mal verübeln, aber was hatte der denn erwartet? Er wusste doch, wie das Spielchen lief. Die Leute wollten das sehen. Wie sie sich fertig machten. Auch wenn es Joko und Klaas hieß.

„Klappstuhl“, gab Joko schlussendlich die Antwort und entschied somit das Spiel für sie. Jubelnd hob er die Arme, strahlte übers ganze Gesicht und wandte sich dann an Klaas. Der ließ den Klappstuhl aus seiner Hand fallen, machte eine entschuldigende Geste in seine Richtung und fing passend zur Musik an zu tanzen. Breit grinste er Joko an und wusste, als dieser auf ihn zukam und seine Arme um ihn schlang, dass alles wieder ok war.

„Alles klar, Winti?“, fragte er trotzdem leise noch mal nach, als er sein Gesicht in Joko’s Halsbeuge vergrub. Er zwang sich dazu wieder einen Schritt zurück zutreten, als das Publikum um sie herum wild applaudierte. Seine Antwort bestand in einem leichten Lächeln und einem Nicken. Für mehr war jetzt keine Zeit.

Steven kündigte bereits das nächste Spiel an, holte ihre Gegner auf die Bühne, bevor eine kurze Umzieh und Umbau Pause eingeplant war. So richtig schien Joko allerdings mal wieder nicht zuzuhören. Er verzog das Gesicht aufgrund der Schokocreme, die ihm den Rücken runter lief. Schmunzelnd blickte Klaas immer wieder zu ihm, zwang sich dann aber Wigald Boning und Hugo Egon Balder zu begrüßen.

„20 Minuten Pause.“

Das war ihr Stichwort.

„Wir gehen uns dann mal umziehen“, rief er Steven noch zu, winkte noch kurz ins Publikum, bevor er nach Joko’s Handgelenk griff und ihn hinter sich her zog. Dieser grummelte leise vor sich, wackelte etwas mit dem Oberkörper und zog mit der freien Hand an seinem Jackett.

„Alter, das ist echt unangenehm mit der Sauce. Ich glaube, mir ist was in die Unterhose gelaufen.“

„Bin ja froh, dass du dich nur darüber beschwerst. Meine Taktik ist immerhin aufgegangen. Hat doch super funktioniert.“

„Nix da. Da reden wir noch drüber. Du kannst mir doch nicht einfach den Klappstuhl an den Rücken werfen. Weißt du wie weh das getan hat?“, beschwerte Joko sich laut, als sie durch die Gänge zur Garderobe gingen. Einige Mitarbeiter kamen ihnen grinsend entgegen und gratulierten ihnen zum gewonnenen Spiel, versuchten aber nicht sie aufzuhalten. Wenn die beiden erstmal warm liefen, wollte niemand von den anderen dazwischen gehen. Ihre Wortgefechte waren legendär in der Firma. Außer Schmitti und Jakob wussten alle den Mund zu halten.

Als Klaas schließlich die Tür öffnete, scheuchte er die Mädels mit einer knappen Handbewegung raus und ließ Joko erst los, als sie alleine waren. Dieser zupfte erneut an seinem Jackett und schaute sich im Standspiegel seinen Rücken an, bevor er nach einem Tuch griff.

„Ey, das ist echt ne Schweinerei. Warum musste Steven ausgerechnet das aussuchen?“

Klaas stand schweigend hinter ihm und beobachtete nur seine verzweifelten Versuche die Schokolade weg zu wischen. Die Hände hatte er dabei in seinen Hosentasche vergraben. Führte seinen eigenen inneren Monolog. Spürte den Zwiespalt in sich.

Joko schimpfte weiter vor sich hin, kam nicht richtig an die oberen Stellen ran und ließ schließlich seufzend das Handtuch sinken. Er blickte zu Klaas.

„Steh doch da nicht so rum. Wir haben nicht ewig Zeit. Hilf mir mal lieber!“, sprach er und warf Klaas das Handtuch zu. Dieser fing es erstmal auf, stand noch einige Sekunden still da, sah wie Joko sich mit dem Rücken zu ihm drehte und dabei in den Spiegel blickte. Damit war die Entscheidung wohl gefallen.

Das Handtuch fiel zu Boden.

„Ich glaube das nächste Spiel wird ein Klacks. Wir sind so oft verreist. Da kennen wir die Flaggen doch schon auswendig“, sagte Joko gelassen, löste die Fliege, öffnete die Manschettenknöpfe und machte sich daran sein Hemd aufzuknöpfen.

Klaas näherte sich ihm langsam.

„Was ProSieben sich dabei nur gedacht hat. Die wollen heute wohl unbedingt verlieren.“

Klaas stand nun direkt hinter ihm.

„Und das wir dann auch noch gegen Hugo und Wigald antreten. Wie lustig ist das denn?“

Klaas beugte sich vor und leckte ihm die Schokolade vom Rücken.

„Alter!“, rief dieser erschrocken, versuchte einen Schritt nach vorne zu machen, wurde von Klaas’ Händen an seinen Hüften allerdings daran gehindert. Er keuchte laut auf, als die Zunge erneut über eine Stelle leckte. Seine Hände suchten nach Halt, denn seine Knie waren gefährlich weich geworden. „Klaas…“

„Ruhe! Ich muss mich konzentrieren.“ Sein heißer Atem strich über Joko’s Haut, die feucht von seiner Zunge war. Er sah die Gänsehaut, spürte wie ein Zittern durch den Körper vor ihm ging und Joko den Kopf hängen ließ. Sie hatten nicht viel Zeit, aber die wollte er gründlich nutzen. „Du kannst mich nicht so in Versuchung führen.“ Wieder leckte er einen Fleck Schokolade weg.

Klaas Hände wanderten nach vorne, führte die Arbeit fort, zu der Joko nicht mehr imstande war. Er knöpfte das Hemd zu Ende auf, strich mit seinen Händen über den nun nackten Oberkörper, bevor er ihm Hemd und Jackett auszog. Achtlos warf er beides beiseite, bevor er seine Hände an Joko’s Taille platzierte.

„Ich muss Steven fast dankbar sein, dass er sich den Gegenstand ausgesucht hat. Sehr gute Wahl!“ Wieder strichen seine Lippen über Joko’s Haut. Leckten hier und da noch ein wenig Schokolade weg. „Meinst du nicht auch?“

„Verdammt, Klaas… Wir haben keine Zeit..“

„Dann nehmen wir uns die Zeit. Können sowieso nicht ohne uns weiter machen.“

Klaas trat ganz nah an Joko heran. Schlang seine Arme um den Größeren. Presste seine Lippen auf dessen Schulter. Blickte ihm über die Schulter im Spiegel in die Augen. 

„Klaas, ich…“, hauchte Joko atemlos, leckte sich über die Lippen. So sprachlos hatte Klaas ihn selten erlebt. Erlebte ihn so nur in ganz privaten Momenten zwischen ihnen.

„Wir waren uns einig, dass die Sachen vor der Kamera, die Spiele und die Aufgaben, nicht zwischen uns stehen werden. Das hast du mir versprochen. Das haben wir uns beide versprochen. Also fang nicht jetzt schon ein dein Versprechen zu brechen.“ Mit den Lippen strich er über die warme Haut, saugte hier und da an einer Stelle, ließ Joko nicht aus den Augen. „Du vergisst gerne, dass ich dich kenne. Nach 10 Jahren bist du wie ein offenes Buch für mich. Erinnerst du die Leute nicht gerne immer wieder selber daran?“

Joko lachte leise auf, ließ den Kopf schüttelnd sinken und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Ach man ey! Ich unterschätz das wirklich immer. Du bist ein viel zu guter Beobachter.“

„Ganz genau, also leugne es gar nicht erst.“ Klaas grinste ihn breit an und ließ zu, dass Joko sich zu umdrehte ohne einen Schritt zurück zu treten. Eine Hand wanderte in seinen Nacken, die andere um seine Taille und seine Stirn legte sich an Klaas Stirn. Ihre Blicke trafen sich.

„Ich hab’s nicht vergessen. Es ist nur manchmal so schwer für mich in alte Muster zu fallen. Ich will das nicht mehr, aber gleichzeitig weiß ich, dass wir keine andere Wahl haben.“ Joko schloss die Augen. Seine Stimme war leise, fast nicht zu hören, wenn Klaas ihm nicht so nah gewesen wäre. „Es war die richtige Entscheidung für’s Duell nicht mehr selber zu reisen. Es war die richtige Entscheidung endlich mal als Team aufzutreten. Ich will keine dieser Entscheidungen bereuen, weil mir das zwischen uns so unendlich wichtig ist. Ich will uns nicht verlieren.“

„Das wird nicht passieren, weil wir das nicht zulassen werden“, antwortete Klaas genauso leise. Er legte eine Hand an Joko’s Wange, wartete bis dieser endlich wieder seine Augen öffnete. Warmes Braun traf auf strahlendes Blau. „Du und ich. Gegen den Rest der Welt.“

Ihre Lippen fanden sich. Nicht zögerlich, nicht unsicher. Sanft und fordernd bewegten sie sich aneinander. Legten alle Gefühle in diesen einen Kuss, der sie gleichzeitig beruhigen und enger zusammen bringen sollte. Ihnen versichern sollte, dass sie sich niemals verlieren würden. Nichts zwischen sie kommen würde. Was auch immer passieren sollte.

Als sie sich atemlos voneinander lösten, trotzdem noch nah beieinander blieben, war die Spannung sichtlich aus Joko’s Körper gewichen. Er wirkte ruhiger, besänftigt, in sich ruhender. Außerdem war das breite Lächeln auf seinen Lippen ein weiteres Zeichen.

„Wir gegen den Rest der Welt.“

 

Klaas konnte das Prickeln jetzt noch spüren. Dieser Moment war so intensiv, so intim gewesen. Er dachte gerne an diesen Tag zurück, denn am Ende hatten sie die Show haushoch gewonnen. Waren so motiviert gewesen, wie schon lange nicht mehr. Natürlich hatten man ihnen angemerkt, dass irgendwas in der Pause passiert sein musste. Steven hatte sie wissend angegrinst, genauso wie die anderen Mitarbeiter um sie herum. Doch keiner hatte es gewagt sie in der Garderobe zu stören. Dieser intime Moment war nur für sie gewesen.

Doch leider war es nicht immer so zwischen ihnen gewesen. Ausgerechnet zu ‚Circus HalliGalli‘ Zeiten hatte es oft geknallt. Laute Wortgefechte waren fast an der Tagesordnung gewesen. Unangenehme Spannungen waren entstanden, die in manchen Wochen das Arbeiten wirklich erschwert hatten.

Klaas strich sich mit einer Hand über den Bart, als er wohl an den schlimmsten Streit dachte. Für alle Beteiligten war es unangenehm gewesen. Natürlich hatte man diese Spannungen während der Aufzeichnung kaum bemerkt. Sie waren so professionell wie möglich mit dieser Situation umgegangen. Hatten versucht es für die Leute lustig und amüsant zu gestalten. Am Ende war es eine gute Folge geworden, vielleicht sogar eine der Beste, aber wie es in Klaas am Ende des Tages ausgesehen hatte, war hoffentlich niemandem bewusst gewesen.

Es war der Auftakt für die dritte Staffel gewesen. Ein Jahr HalliGalli lag hinter ihnen. Sie waren gut rein gestartet. Die Leute hatten sie gut angenommen bei ProSieben. Dann war Joko dieser Fehler unterlaufen und hatte den ganzen Plan für den Staffelauftakt durcheinander gebracht.