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Fünf Spiele gewonnen

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Das Lächeln zuckte gefährlich an Klaas‘ Mundwinkeln. Doch der Jüngere tat sein Bestes, seine Freude über den gerade vorgestellten Plan noch zu verbergen. Auch wenn das nichts brachte. Joko wusste genau, wie gut dem anderen seine Idee gefiel.
Klaas würde noch ein paar mehr Tage im Krankenhaus verbringen müssen und da sie hier in München waren, konnte Joko ihm auch nicht eben mal schnell alles aus seiner Wohnung vorbeibringen, was er zum Zeitvertreib gerne da hätte. Also mussten sie improvisieren und da kamen ihm ihre bisherigen gemeinsamen Formate nur zu Gute. Es hatte eben doch etwas positives, sich immer etwas verrücktes einfallen lassen zu müssen, immer mit dem Ziel, andere damit zu unterhalten. Und wenn sie ehrlich waren, hatten sie natürlich auch meistens ihren Spaß an den Aktionen, auch wenn das vielleicht manchmal erst im Nachhinein deutlich wurde und man in dem Moment eigentlich gerne alles und jeden hinter den Mond schießen würde.
Zu so einer Situation wollte Joko es natürlich jetzt und hier nicht kommen lassen. Klaas sollte schließlich entspannen und ruhig liegen bleiben, damit alles in seinem Körper an der richtigen Stelle blieb und er schnell wieder gesund werden konnte. Das hieß aber nicht, dass sie nicht solche Aktionen abziehen konnten, die schon im Tun Spaß machten und ihren Ehrgeiz, den anderen zu besiegen, nur so weit anstachelten, dass alles gesittet blieb.
„Aushalten: Krankenhaus, also?“, fragte der Dunkelhaarige nochmal nach und seine Augen blitzten wieder amüsiert auf.
Jokos grinste breit und nickte begeistert.
„Nicht so wie unsere anderen Aushalten, aber wir lassen uns was einfallen. Mehr so Aushalten ‚light and soft version‘. Ich habe Thomas und Jakob schon darauf angesetzt, sich Aufgaben auszudenken. Du kannst also gar keinen Rückzieher mehr machen.“
„Ich bin an dieses Bett gefesselt. Ich glaube, ich bin dir und deinen Ideen eh ziemlich hilflos ausgeliefert.“
„Und das werde ich voll und ganz ausnutzen.“
Klaas schüttelte den Kopf und zischte sofort auf, kniff die Augen zusammen.
„Klausi!“, besorgt sprang Joko auf, das Lächeln war mit einem Schlag aus seinem Gesicht verschwunden. Dicht neben seinem Bett stehend, hielt er den Blick fest auf seinem Freund, der konzentriert durchatmete.
„Ah, Kopfschmerzen“, stöhnte der auf und sank zurück ins Kissen, „das war zu schnell.“
„Pass doch bitte auf.“
„Ja ja“, murrte er und öffnete die Augen, blickte zu Joko hoch.
Seine Worte sollten wohl genervt klingen, aber der Blonde sah die Niedergeschlagenheit im Gesicht des anderen nur zu deutlich. Keiner von beiden konnte es gut verkraften, krank und verletzt zu sein, sie kamen nie gut damit klar. Genauso wenig wie mit den Verletzungen des anderen. War einer am Boden, lagen beide nebeneinander und litten gemeinsam.

Die nächsten Stunden gingen damit vorbei, dass Schwester Koya immer wieder vorbeikam und Klaas untersuchte, Schmitti seinen Kaffee halb über dem Boden verteilte, weil er über die ausgezogenen Schuhe von Joko stolperte und Jakob vom Treiben im Studio und den Medienberichten erzählte, die am Morgen schon Wind von Klaas‘ Unfall bekommen hatten und nun spekulierten, was er wohl hatte und wie lange es dauern würde, bis man mit den Aufnahmen fortfahren würde.
Sie diskutierten über den Wortlaut der Pressemitteilung, die die Florida daraufhin notgedrungen rausgeben musste. Joko und Klaas waren sich einig, dass sie nichts genaues erzählen wollten. Einfach nur ein kurzes „Hallo, es gab einen Unfall, keiner ist gestorben, tschüss.“. Das sollte doch wohl für die Haie der Klatschmagazine ausreichen. Schmitti wandte aber ein, dass sie schon mitteilen müssten, was er hatte, damit Geschäftspartner und Zuschauer beruhigt warten und nicht ständig nachfragen würden. Mit einer ausführlicheren Aussage direkt zu Beginn würden sie sich viele Anfragen ersparen und so Stress vorbeugen, den gerade keiner von ihnen noch zusätzlich zu dieser Angespanntheit haben wollte. Also stimmten die beiden Männer schließlich zu, dass seine Verletzungen grob beschrieben wurden, aber das Augenmerk darauf gelegt wurde, dass er gute Chancen auf Heilung ohne Spätfolgen haben würde. Klaas würde aber trotzdem die nächsten Wochen noch aus dem Rampenlicht verschwunden bleiben.
Joko würde gerne ergänzen, dass das auch für ihn galt, dass er Klaas‘ Seite nicht verlassen würde, aber das konnten sie nicht bringen. Der Blonde müsste einige von Klaas’ Geschäftstermine in der Florida übernehmen und seine eigenen Termine natürlich auch einhalten. Für ihn ging es nächste Woche zu einer Aufnahme für eine Abendshow, zu der er bereits vor Monaten zu gesagt hatte.
Und dann kam die Diskussion um Late Night Berlin auf. Absagen? Da würde ProSieben was gegen haben. Joko als Ersatz einsetzen? Das wollte er eigentlich nicht, weil er dann immer den ganzen Montag nicht bei Klaas sein könnte. Abwechselnd Promis als Ersatz-Moderator einladen? Vielleicht die beste Variante, um Jokos Nerven zu beruhigen und Klaas zu besänftigen, der seine Show schon halb abgesetzt sah aufgrund seines Unfalls.
Aber dazu mussten sie heute noch keine Entscheidung treffen. Dazu hatten sie noch Zeit.
Wie auch immer sie mit LNB weitermachen würden, alle anstehenden Termine und Tätigkeiten würden in Berlin stattfinden. Also beschlossen sie, dass Klaas, sobald es ihm besser ging, nach Berlin zurückkehren würde.
Schmitti und Jakob würden bereits in zwei Tagen abreisen, weil ihr Hotelzimmer nur bis dann gebucht war. Und Joko würde bei Freunden unterkommen, die er noch aus seiner Zeit hier in München kannte. Er war ja erst vor zwei Jahren wieder Richtung Norden gezogen. Joko war zwischendurch kurz auf den Flur getreten und hatte vom Balkon der Station aus, der zum Park hinaus zeigte, Pascal angerufen. Das war der einzige Moment, in dem er Klaas‘ Zimmer verlassen hatte. Joko hatte seinem Münchener Freund gesagt, dass er ein paar Tage seine Couch in Anspruch nehmen würde, wie der es schon so häufig angeboten hatte, sollte der Blonde mal ohne durchgetakteten Tagesplan nach München kommen. Quasi noch im gleichen Atemzug hatte er aber auch klar gemacht, dass er nicht viel Zeit dort verbringen würde. Nämlich genau so viel, wie er zum Schlafen brauchte, bis er ins Krankenhaus rein durfte und ab dem Moment, wo er rausgeschmissen wurde. Pascal hatte nur gelacht und geantwortet, dass er nichts anderes erwartet hätte, so wie er immer an Klaas‘ Rockzipfel hing.

Thomas verließ sie gegen Mittag, um das Management des Studios zusammen mit Vertretern von ProSieben zu treffen. Jakob besorgte Mittagessen aus der Kantine, kurz bevor auch Klaas sein Tablett von Koya gebracht bekam.
Am Nachmittag streckten Thomas Martiens und Thomas Schmitt gemeinsam den Kopf ins Zimmer. Damit wurde ihre Runde ganz sicher nicht leiser und Joko hoffte inständig, dass Dr. Bläh noch nicht im Haus war. Ansonsten würde ihr das wahrscheinlich bereits für seinen Rausschmiss reichen, aber es war gerade viel zu lustig, als dass er sich wirklich ernsthaft Sorgen machen konnte oder wollte.
Schmitti hatte Thomas nach der Besprechung mit ins Krankenhaus geschleppt, damit ein weiterer kreativer Kopf an den Aufgaben für ihr ganz persönliches Aushalten mitarbeiten konnte. Jakob hatte sich auch wieder zu ihrer Runde gesellt. Und so saßen sie nun alle mehr oder weniger aufrecht in ihren Stühlen rund um Klaas‘ Bett. Der Braunhaarige ließ seinen Blick immer wieder von dem einen zum anderen wandern, nur damit er doch immer bei Joko liegen blieb. Der hatte da definitiv nichts gegen, auch wenn sie beide dann schweigsamer wurden und nicht mehr viel in die Brainstorming-Runde einwarfen. Lieber unterhielten sich die beiden Männer dann über Augenbrauenwackeln, Grimassenschneiden und Handzeichen, bis einer der drei anderen sie aufforderte, auf deren Ideen zu reagieren.
Es war das Beste, was sie aus diesem Tag rausholen konnten. Sie konnten Klaas ablenken, dass er nicht zu viel über sein dummes Verhalten nachdenken konnte, Joko konnte zufrieden neben seinem Freund sitzen und sie alle hatten immer wieder etwas zu lachen. Die träge Krankenhausatmosphäre war aus dem Zimmer verbannt worden. Da änderte auch der stündliche Besuch von Koya nichts.
Sie merkten erst, wie spät es war, als nicht mehr die ältere Dame, sondern Kerim ins Zimmer gelaufen kam, das Tablett mit dem Abendessen bereit. Kurz blieb der junge Mann stehen und blickte überrascht in alle Gesichter der Versammelten, bevor er lachte, das Tablett abstellte und nach der leeren Wasserflasche griff.
„Guten Abend, die Herren.“
„Hallo Herr Altdorf.“
„Kerim bitte“, antwortete er mit den Händen einmal durch die Luft wedelnd.
„Gut, dann aber bitte auch Klaas.“
„Und Joko.“
„Das klingt echt falsch in der Reihenfolge“, erwiderte der Krankenpfleger und blieb mitten im Raum auf seinem Weg zurück zur Tür nochmal stehen.
„Ja, aber manchmal ist Klaas halt doch Priorität und kommt an erster Stelle“, antwortete Joko schulterzuckend. Eine warme Hand schloss sich um seine Finger und blaue Augen sahen ihn weich und dankbar an.
„Ich warne mal lieber vor, dass Frau Blezeg-Wiechart wieder Nachtschicht hat und die Abendvisite bald ansteht. Und heute muss ich leider wirklich alle nach Hause schicken. Denn ehrlich gesagt, seht ihr echt scheiße aus. Ein anständiges Bett tut allen gut und dann könnt ihr morgen weiter die Weltherrschaft planen oder was auch immer euch so zum Lachen gebracht hat.“
„Beinahe“, kicherte Thomas Martiens und stand von seinem Stuhl auf, nach seiner Jacke greifend. „Nehmen wir ein Taxi zusammen?“
Jakob stand auf, Schmitti folgte seinem Freund und legte einen Arm um die Hüfte des anderen Mannes.
„Joko, wir warten unten im Foyer, okay?“
„Klar, bis gleich.“
„Brauch nicht zu lang“, ermahnte Jakob noch scherzend, bevor alle aus dem Raum trabten, während schon wieder über ihre letzte Idee diskutiert wurde.
„Und was soll ich jetzt den ganzen Abend machen?“
„Was machst du denn sonst an den langen, langen Abenden zu Hause, wenn wir keine Zeit miteinander verbringen?“
„Mit dir schreiben oder Fernsehen schauen.“
„Okay, das kannst du beides machen. Sobald ich im Hotelzimmer bin, telefonieren wir und schauen gemeinsam irgendwas an. Dann kannst du mich volllabern und ich kann dir beim Einschlafen zuhören.“
„Wer sagt denn, dass ich zuerst einschlafe?“
„Ich habe da so eine Ahnung.“
Jokos Finger fuhr sanft unter Klaas‘ Augen über die Furchen der Augenringe. Der Jüngere sah zwar besser aus als letzte Nacht, aber er merkte trotzdem deutlich, dass das viele Lachen und die langen Gespräche an seinen Kräften zerrten.
„Ich schlaf beim Fernsehen nicht ein“, argumentierte Klaas trotzig weiter, den anderen nicht gehen lassen wollend.
„Wir schauen diese Dokus über Schwerlasttransporte.“
„Das nennt sich schummeln, das ist gemein.“
„Nein, ich will nur, dass du gut einschlafen kannst. Du brauchst es.“
„Du auch. Kerim hat recht, du siehst scheiße aus.“
„Werd du mal so alt wie ich und verbring dann eine Nacht auf einem Plastikstuhl. Dann schauen wir mal, wie du dann aussiehst!“, provozierte Joko und ruckte aufmüpfend mit dem Kopf hin und her, die Augen weit aufgerissen.
„Jaja, du alter Mann. Geh mal und ruh dich aus. Jakob will morgen mit der ersten Runde anfangen.“
Joko schüttelte stumm lachend den Kopf. Das würde ja was werden. Aber alles, womit Klaas‘ Laune im oberen Bereich blieb, war ihm recht. Ein schlecht gelaunter Klaas war nicht so einfach zu ertragen.
„Ich geh ja schon. Ruf mich an, wenn die Visite durch ist.“
Seine Finger fuhren nochmal über Klaas‘ Wange und ihre Augen verhakten sich für einen Moment, bevor Joko sich einen Ruck gab und seinen drei Mitarbeitern folgte.