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Fünf Spiele gewonnen

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„Unser erstes Spiel – und ich muss sagen, ich freue mich einfach schon aus nostalgischen Gründen immer wieder darauf – das wird euch von eurer guten Freundin und der großartigen Entertainerin, Palina Rojinski vorgestellt.“
„Oh nein“, seufzte Klaas laut auf und wendete sich mit fallenden Schultern zu Joko, der auch bereits resigniert den Kopf in den Nacken legte. Palina als Verkünderin der Aufgabe konnte nur eins bedeuten –
„Aushalten!!!“, schall auch schon die helle Stimme durch die Halle und die beiden Moderatoren blickten zu dem Bildschirm, der über der Reihe an Kameramännern gegenüber vom „Eingang“ des Studios hing. Dort konnten sie solche Einspieler und wiederholte Szenen, die später im Schnitt über das Kamerabild gelegt wurden, auch sehen.
„So, ich glaube, damit habe ich eure Aufmerksamkeit. Und ich kenne euch beide lange genug, dass ich weiß, dass ihr gerade schon wieder am Meckern seid, also hört gleich auf damit. Wir haben ja schon die ein oder andere Runde Aushalten gespielt, aber solange uns noch kleine Gemeinheiten einfallen, spricht ja nichts gegen dieses grandiose Spielformat. Ich glaube, ihr braucht eigentlich keine Erklärung mehr, aber trotzdem wird Steven euch gleich nochmal alles genau erklären und ich wünsche euch – mit der einen Hälfte meines Herzens ganz viel Glück und mit der anderen möchte ich euch verzweifeln sehen. Vergesst nicht, nur lustig verletzten bitte, habt Spaß und ganz viele Küsse! Eure Palina.“
Die Redaktion hatte die Rothaarige bei irgendeinem Dreh zur Seite gezogen, im Hintergrund standen Kameras, Fotowände und der ein oder andere Tonmann, aber Palina verlor so gut wie nie ihre gute Laune.
Thomas, der mit Klemmbrett und dickem Kopfhörer hinter der Kamera stand, hielt die Finger hoch und zählte von drei runter, bis die Szene weiterlaufen sollte.
„Vielen Dank, Palina“, bedankte sich Steven pflichtbewusst und wendete seinen Kopf an die beiden Stars der Show.
„Ja, dankeschön“, murmelte Klaas mit wieder verschränkten Armen und nickte mit zusammen gepressten Lippen. Joko hob nur winkend den Arm, schüttelte aber enttäuscht den Kopf. „Überleg dir mal ein neues Spiel, bis wir uns das nächste Mal sehen. Oder üb, mit diesen Stöckelschuhen ganz schnell laufen zu können.“
Joko gackerte hinter ihm und schlug ihm auf die Schulter, was Klaas seine Kampfansage mit einem Grinsen enden ließ.
„Seid nicht so fies zu ihr. Und ihr müsst zugeben, dass Aushalten bis jetzt ein ganz gutes Spiel für euren Punktestand war. Deswegen, bitte ich euch jetzt ohne weiteres Meckern und Motzen, hört gut zu: 5 Runden, jedes Mal erledigt einer eine Aufgabe, während der andere eine bestimmte Situation aushalten muss. Nur so lange, wie ausgehalten wird, darf die Aufgabe gelöst werden. Für Runde 1 gibt es einen Punkt, Runde 2 zwei Punkte, und so weiter. Gewonnen habt ihr dieses Spiel, wie immer, wenn ihr 9 Punkte erreicht habt.“
„Ganz ehrlich, alleine schon, dass die meisten Stationen so klein aussehen, sagt doch nur, dass das Aushalten noch fieser wird.“
Klaas deutete auf drei der Aufgabengrüppchen, die verteilt auf dem Spielfeld standen und so unscheinbar wirkten. Aber sie kannten es zur Genüge – dahinter verbarg sich der nächste schmerzhafte Mist, den sich die Redaktion aus ihren sadistischen Köpfen gezogen hatten.
„Mund halten, mir folgen, so wie Palina euch das aufgetragen hat“, winkte ihr Moderator nur ab und lotse die Zwei von der Mitte des Studios zur rechten Ecke, wo eine der größeren Aufgaben aufgebaut war.

Sie kamen zwischen einem kleinen Gartentisch mit Tablett, einer Dose und zwei Schalen und einer Glaskabine, die nur zu bekannt war, zum Stehen.
„Och nein, bitte sag mir nicht, das ist die…“
„Von eurem Finalspiel ‚The Nose of Germany‘, das haben Sie gut erkannt, Herr Winterscheidt.“
„Nein!“, jammerte Joko auch gleich los und blickte flehend mit gefalteten Händen zu Klaas. „Bitte, bitte, bitte, lass mich die Aufgabe lösen.“
„Jetzt hör doch erstmal zu!“, würgte der Braunhaarige das Flehen seines Freundes mit einem süffisanten Grinsen ab. Sie beide wussten, dass es genau so ablaufen würde. Joko würde keine fünf Sekunden in der Kabine aushalten – egal, welche Geruchswelt darin auf einen von beiden wartete. Trotzdem wollte er lieber zuhören, was die Aufgabe war, um einschätzen zu können, ob sein Co-Moderator sowieso versagen würde. Dann könnte er nämlich schneller aus der Kabine raus und einfach behaupten, dass es zu schlimm wäre, und damit sich und seine Nase schonen.
„Du weißt noch nicht mal was Sache ist und schon geht das wieder los.“ Steven schüttelte den Kopf und blickte noch einmal kurz auf seine Karten.
„Also, die Aufgabe: In dieser Dose“, er hob den genannten Gegenstand hoch und schüttelte sie nah an seinem Gesicht, damit das raschelnde Geräusch von seinem Mikro aufgenommen wurde, „sind sehr viele Linsen und sehr viele Reiskörner. Die müssen Aschenputtel-Style sortiert werden – aber ohne die Hilfe von irgendwelchen Gesangvögeln oder Gestalten aus der Umgebung.“
Mit einem Fingerdeut fuhr er zum Publikum und schüttelte den Kopf.
„Der andere“, fuhr er dann an Klaas gerichtet fort, „bleibt in dieser Kabine, die, naja, jetzt nicht nach Sommer, Sonne, Strand riechen wird. Das wäre ja auch kein Aushalten.“
„Für Joko schon, der ist so bleich, der ist wahrscheinlich allergisch gegen Sonne“, witzelte Klaas, dessen Blick aber schon trüb am Türgriff hing. „Boah, ich habe so gar keinen Bock dadrauf, ernsthaft“, ließ er auch gleich darauf verlauten und zog die Schultern noch ein Stückchen weiter nach oben.
„Niemand sagt, dass du das machen musst.“
„Jaha, genau. Du hast mich doch schon bei der Erklärung so angeschaut“, zeigte er anklagend mit dem Zeigefinger zu Steven, bevor er sich umdrehte und Joko ins Visier nahm, „und du glaubst doch nicht ernsthaft, dass Joko – Joko ich-kotze-sofort Winterscheidt – da reingeht. Dann können wir gleich die Aufgabe als verloren ansehen.“
„Wo du recht hast…“
„Hey!“
„Ja, nichts hey, nur die Wahrheit. Komm, ich machs, ich steig da rein, aber du beeilst dich gefälligst.“
Die Schultern und Arme ausschüttelnd und leicht auf den Fußspitzen wippend, als ob er sich für einen Boxkampf bereit machte, stellte er sich startklar vor die Glaskabine und schüttelte mit verzogenem Gesicht nochmal den Kopf.
„Alles klar, Joko, dann geh du bitte zum Tisch, knie dich hin, was auch immer, du darfst die Box schon öffnen und nach dem Signalton auf dem Tisch ausschütten. Die Aufgabe ist erst bestanden, wenn alle Körner in den Schalen sind, es darf keins auf dem Tisch oder auf dem Boden und auch nicht in deinem Mund sein, wir wiegen die Schalen später, so wissen wir auch, das alles richtig sortiert ist. Beide startklar?“
„Ja“, antwortete Joko, der sich nur leicht über den Tisch beugte und die Finger dehnte.
Klaas brummte nur zustimmend und Steven blickte zwischen den beiden hin und her.
„Dann ist hier euer Startsignal und sobald Klaas in der Kabine ist, darfst du anfangen.“
Das Tröten war die ersten Male am Aufnahmetag doch etwas zu laut in den Ohren und Klaas zuckte minimal zusammen, daran musste er sich erstmal wieder gewöhnen. Dann zog er die Tür mit Schwung auf und wäre am liebsten drei Schritte zurück gegangen.
„Ne, das ist so eklig, was habt ihr damit gemacht?! Man, fickt euch, ernsthaft, und das als erstes Spiel.“
„Rein da, los, Tür zu, ich will das gar nicht riechen. Joko, leg los.“
„Mach hinne ey!“
Joko starrte auf die ausgeschütteten Körner und Linsen und fing an, hektisch Häufchen zu bilden und einzelne Körner hin und her zu schieben. Ihm war anzusehen, dass er sich wirklich anstrengte. Denn so sehr er diese Duftkabinen verabscheute, Klaas ging es da nicht anders. Der wusste, dass Joko das wusste und Klaas nur zu gütig war, um sich zu weigern, und sich da lieber opferte.
Dieser Gedanke schoss dem Dunkelhaarigen nämlich gerade durch den Kopf. Dass er zu nett war und immer wieder litt, um dem anderen ein bisschen Last abzunehmen. Immer unter dem Deckmantel der Rivalität oder des Siegeswillen.
Die Nase in der Ellenbeuge versteckt beobachtete er Joko, konnte es aber nicht sein lassen, sich über seine eigene Situation auszulassen.
„Ihr seid so pervers. Habt ihr hier nochmal alles aus dem Finale damals zusammen reingestellt?“
„Ja, so ziemlich, soll ich dir vorlesen, welche lieblichen Gerüche dich da umgeben?“
„Nein danke, ich kotze auch so schon gleich“, warf Klaas Steven einen böse funkelnden Blick zu. „Joko, Mensch, beeil dich.“
„Ja! Ich mach doch schon. Wieso sind das so viele?“
„Weil es ansonsten zu einfach wäre. Klaas, ich verrate es dir trotzdem“, damit hob der Moderator seine Karte hoch und räusperte sich, bevor er mit überhaupt nicht verstecktem Grinsen anfing zu lesen, „Mettigel, beliebte Wahl, Motoröl, vergammeltes Obst, Stinkekäse, wieder das Katzenklo, und zur Krönung noch ein bisschen Rauch.“
„Also der Rest okay, ja, den riecht man, aber den Rauch hat irgendjemand Backstage in der Vorbereitung wohl vergessen. Da ist wohl jemand seinen Job los“, versuchte Klaas ein wenig von seinem Leiden abzulenken und winkte spaßend in Richtung der Crew, die für Umbauarbeiten, aber eben auch für die Vorbereitung der Requisiten verantwortlich war.
„Oh nein nein nein, mein lieber Klaas, den kriegst du jetzt auch noch. Joko hat jetzt genau eine Minute sortiert“, damit trat Steven an seinen Glaskäfig heran und drückte einen Knopf, den Klaas beim Reingehen gar nicht gesehen hatte, und schon sah er, wie unten in den Ecken die Nebelmaschinen ansprangen.
„Ihr seid so assig. Ihr seid so assig! Nicht ernsthaft. Das ist doch garantiert so ein richtig billiges, stinkendes Ding, oder? Ja, ja, es kommt an. Joko, Zahn zulegen bitte.“
Klaas schüttelte den Kopf, während ihm ein Schauer den Rücken runter lief. Nicht nur, dass es jetzt so penetrant ätzend roch, der Nebel kratze in Nase und Rachen und seine Sicht verschwamm immer weiter. Die Nase ans Glas drückend, um nach draußen sehen zu können, sah er, wie Joko gerade den einen Haufen in die erste Schüssel schob, die er leicht unter den Rand des Tisches hielt.
„Mach! Mach! Mach!!!“
„Beruhig dich!“
„Ich beruhige mich erst, wenn ich aus dieser Nebelkammer draußen bin.“
Dann hielt er lieber den Mund, weil er in diesem Moment wirklich spürte, wie sein Magen anfing zu rebellieren. Eine Hand auf den Mund pressend, den anderen Arm weiter zum Schutz seiner Nase angehoben, hockte er sich hin und verließ sich darauf, dass ihm Bescheid gesagt wurde, sobald er raus durfte.
„Da liegen noch welche auf dem Boden!“, mahnte Stevens Stimme aus dem Nichts.
Er sah nichts mehr, die Kabine war so dicht mit Nebel verwoben, dass er die Augen schloss. Hatten sie das vorher getestet? War das überhaupt sicher, länger in dieser Masse an künstlichem Nebel zu stehen? Seine Gedanken rasten, sein Rachen brannte und das Husten, dass sich aus ihm rauskämpfte, war ein halbes Würgen. Noch zehn Sekunden, dann würde er rausgehen, länger ging es wirklich nicht. Er hatte wirklich die Gemeinheit seiner Redaktion unterschätzt.
Sechs Sekunden.
Fünf.
Vier.

„Komm raus!“
Klaas schoß aus der Hocke hoch und taumelte, rammte den freien Arm, der nicht über der Nase lag, gegen die Wand. Doch die gab nicht nach. Nach links drehen, aber die nächste Wand war auch fest. Nein!
Eine Hand schloss sich um seinen Oberarm und zog ihn aus dem Nebel. Kaum war er von klarer Studioluft umgeben, sackte er auf die Knie und stützte sich vorne über. Der Husten kratzte im Hals und sofort wurde ihm eine Flasche in die Hand gedrückt. Die Stimmen um sich nahm er die ersten Sekunden nicht wahr, versuchte erstmal, ruhig zu atmen und seine Sicht wieder zu schärfen.
Die Hand, die ihn eben rausgezogen hatte, ließ ihn nicht los und er war dankbar, dass irgendjemand ihn für den Moment noch festhielt.
„Ihr seid Arschlöcher. Ich hab nichts mehr gesehen, der Gestank war ätzend, meine Stimme! Hört ihr meine Stimme!“, fuhr er nach ein paar Sekunden Ruhe fort und merkte sofort, dass sein Hals wirklich irgendwie belegt sein musste, so kratzig wie sie klang.
„Aber du hast es geschafft, Joko hat alles richtig sortiert, beide Schalen haben das richtige Gewicht, alles super. Damit habt ihr einen Punkt.“
„Und das war erst die erste Runde! Ihr habt doch echt ein Rad ab.“
Mit Hilfe von Joko, der neben ihm gehockt hatte und der ihn auch scheinbar aus der Glaskammer der Hölle gezogen hatte, richtete er sich auf und spülte nochmal seinen Mund.
„Geht‘s dir gut?“, Joko klang wirklich besorgt. Zu recht, Klaas gab gerade bestimmt ein jämmerliches Bild ab. Ein bisschen Gestank und Nebel hatten ihn in die Knie gezwungen. Die restliche Folge musste verdammt gut werden, damit dieses Bild nicht zu lange im Kopf blieb.
Kurz nickte er und blickte dann zur Seite, sah die Augenbrauen über den tiefen, braunen Augen zusammen gezogen und zwang einen Mundwinkel in die Höhe.
„Kleinen Moment bitte.“
Damit schluckte er noch etwas mehr Wasser und wendete sich in Richtung der Pausenbank, Joko direkt hinter ihm, der ihn doch endlich los gelassen hatte. Die Wärme an seinem Arm blieb aber.
Steven folgte den Beiden und auch in seinem Blick konnte er sehen, dass Klaas‘ Anblick scheinbar wirklich besorgniserregend war. „Sicher, dass es dir gut geht?“
„Super! Ging mir nie besser. Haben wir noch ein bisschen Lachgas vom letzten Mal?“, versuchte er, die Stimmung wieder aufzuheitern. Das Publikum lachte, Steven drehte sich zur Kamera und versorgte die Fernsehzuschauer mit einem kurzen Spruch, nur Jokos Aufmerksamkeit lag weiter voll und ganz auf ihm.
Während Klaas also auf der Bank saß, sich an die Flasche klammerte und versuchte genug frische Luft in seine Lungen zu kriegen, hockte Joko vor ihm und legte seine Hände auf die Knie. Zu dem Dunkelhaarigen hochblickend hatte der Größere wirklich einen Hundeblick drauf, der Klaas einfach immer zum Lachen brachte. Der ungezwungene Ton ließ auch Joko entspannt aufatmen und nach ein paar weiteren Sekunden ruhigen Atmens, nickte Klaas seinem Freund zu. Gemeinsam standen sie auf, Joko schlang seinen Arm um die Hüfte des Kleineren und zusammen traten sie neben Steven in das direkte Blickfeld der Kamera.
Klaas machte sich gar nichts vor, dieser kleine Moment eben war auch auf einer irgendeiner Kamera eingefangen worden, doch er wusste genau, dass ihr Team diese Szene nicht rein schneiden würde. Einige Momente waren eben nicht Fernsehen-Joko und Klaas, sondern einfach Joko und Klaas. Diese Momente, wo einer einen Moment Ruhe brauchte und den beim anderen fand, waren nichts für das Fernsehpublikum, und vielleicht genoss Klaas diese Moment deswegen noch mehr.

„Dir geht‘s wieder gut?“
„Ich steh wieder wie eine Eins.“
Joko grinste breit und wackelte kurz mit den Augenbrauen, schon war der kurze, angespannte Moment vorbei und Klaas wendete sich immer noch etwas rau lachend ab.
„Och nee, komm schon.“
„Du hast gesagt, du stehst wie eine Eins. Was kann ich dafür, wenn man das zweideutig verstehen kann?!“, rief Joko gespielt unschuldig mit erhobenen Händen. Klaas‘ Grinsen war damit wieder hergestellt.
„Reicht mir schon, wenn du nicht abkrepelst, danke Klaas“, klopfte Steven ihm auf die Schulter, „dann können wir nämlich weiter machen. Ihr braucht noch 8 weitere Punkte in diesem Spiel, damit es euch gehört.“
„Das war aber schon echt heftig für die erste Runde!“, meckerte Joko kurz, schnell wieder ernst geworden und warf mit verschränkten Armen einen düsteren Blick in Richtung Kameras, wo sich Thomas irgendwo versteckte. Klaas trat einen Minischritt zurück und tippte seinen Freund mit der Schulter an. Ein kleines Lächeln, ein kurzes Kopfnicken, damit war schon alles gesagt. ‚Mir geht‘s wirklich gut, lass uns weiter machen, wir rocken das.‘
„Dann freut euch auf die zweite Runde, dafür braucht ihr nämlich ein bisschen Köpfchen.“
„Oh Mist“, drückte Klaas zerknirscht zwischen den Zähnen hervor und lachte gleich auf, als Steven verstehend nickte.
„Ich weiß, dass wird bei euch beiden ein bisschen schwierig, aber wir glauben noch an das Gute in euch, vielleicht auch schon vergebens.“
„So, hör auf, so große Reden zu schwingen, sag an“, klatschte Joko in seine Hände und deutete auf die verhangene Tafel, bei der sie stehen geblieben waren. Daneben war wieder ein Tisch.
„Runde Nummer zwei besteht darin, eine mathematische Gleichung zu lösen. Level der zehnten Klasse, wir wollen ein Ergebnis für x haben. Derjenige, der löst, kriegt auch einen Taschenrechner, um das auszurechnen.“
„Wollt ihr uns verarschen? Wir sind aus gutem Grunde im Fernsehen gelandet! Ihr erwartet ernsthaft, dass wir Mathe können?!“ Klaas schüttelte den Kopf.
Sie waren nun wirklich nicht so doof, wie sie sich manchmal stellten. Beide waren um die ganze Welt gereist und haben mehr verrückte Dinge erlebt, als andere in ihrem ganzen Leben. Einschließlich der Aufgaben in dieser Show. Aber Mathe, also Schulmathe mit irgendwelchen Regeln und Gesetzen, das hatte er doch nun wirklich das letzte Mal für seine Abschlussprüfungen gebraucht.
Ein Blick zu Joko ließ ihn aber ein wenig entspannen, denn der sah nur halb so unruhig aus, wie er sich gerade fühlte.
„Okay, würde ich vielleicht hinkriegen. Außer ihr fangt da jetzt mit irgendwas abgespactem an, was man nur auf der Waldorfschule lernt“, lachte der Größere und Klaas grinste. Stimmt, Joko musste mit seinen ganzen Startups und co ganz gut mit Zahlen umgehen, auch wenn er natürlich andere Leute für alle Details und das Rechnungswesen hatte.
„Das klingt schon so, als ob ihr geklärt habt, wer aushält und wer die Aufgabe macht, bevor ich das Aushalten erklärt habe.“
„Naja, wenn er sagt, er kann Mathe, dann muss das halt so sein, wir brauchen die Punkte…“, führte Klaas aus und zuckte kurz mit den Schultern. Ihm blieb halt nichts anderes übrig, als nochmal auszuhalten. Aber darauf hatte er sich ja irgendwie eingelassen, als er diesen Vertrag unterschrieben und zugesichert hat, für diese Show einfach alles zu machen, solange es ihn nicht umbrachte oder ernsthaft schwer verletzte.
„Wollt ihr trotzdem hören, was das Aushalten ist?“
Klaas nickte, während Joko in Richtung Tafel ging.
„Max, bring bitte rein. Ein Applaus für Max bitte.“
Das Publikum applaudiere fein und Klaas grinste, als er im Augenwinkel sah, wie sein Freund unauffällig auffällig am Laken zupfte, um schon mal einen Blick auf die Aufgabe zu werfen.
„Ah ah ah!“, hatte ihn Steven aber schon entdeckt und den Blonden kurzerhand am Handgelenk wieder an Klaas‘ Seite geschoben. „Hier wird nicht geschummelt. Noch einmal so eine Aktion und ihr verliert dieses erste Spiel automatisch.“
Klaas zwinkerte Joko einmal an, es war einen Versuch wert gewesen. Doch dann blieb sein Blick an seiner Aushalten-Aufgabe hängen und er ließ das Kinn auf die Brust sacken.
Ein Eimer mit Eiswürfeln, bis fünf Zentimeter unterm Rand voll mit Wasser aufgeschüttet.
„Lass mich raten, Hand reinhalten, Joko darf rechnen, Hand draußen, Aufgabe verloren.“
„Ach, manchmal macht ihr einem den Job aber auch mal einfach. Genau so. Und Hand reinhalten heißt bis zum Handgelenk. Da wo der Abdruck deiner Armbanduhr ist, bis dahin bist du im Wasser.“
Auf seinen eigenen Arm blickend wägte er die Aufgabe für eine Sekunde ab.
„Aber ich darf schon aussuchen, welche Seite?“
Steven nickte und bejahte, den Blick schnell wieder auf Joko gerichtet, der wieder Richtung Tafel schlich.
„Gut, dann rechts. Ich bin Linkshänder, dann ist die Hand wenigstens noch gebrauchsfähig für die nächsten Aufgaben.“
„Dann nimm bitte Position ein, Joko, komm her. Klaas, nach dem Startsignal kannst du loslegen. In dem Moment, wo du abtauchst, nehme ich das Laken weg.“
Das zweite Tröten des Abends war schon wieder bekannter und Klaas kniff nur einmal kurz die Augen zusammen, bevor er, ohne weiter groß drüber nachzudenken, seine Hand in den Kübel steckte.
Sofort stach das eiskalte Wasser wie tausend Nadeln in seine Haut und ein spitzer Schrei entkam ihm. Mit der anderen Hand griff er nach der Tischkante und biss die Zähne aufeinander. Na, das konnte ja ein Spaß werden.
Das Wischen von Stoff hinter ihm war sofort von Jokos Stöhnen gefolgt. Und Klaas fuhr mit dem Kopf herum, um mit großen Augen auf die Aufgabe zu schauen. Er sah ein sin und dann Potenzen, viel zu viele Plus, Mal und Bruchstriche durcheinander. Das durfte doch nicht wahr sein, wie sollte man das denn lösen? Da müsste er doch minutenlang seine Hand in dem Eiswasser lassen.
„Du kriegst den Taschenrechner erst, wenn du die Gleichung so weit umgestellt und vereinfacht hast, dass eine einzelne Rechnung im Taschenrechner ausreicht. Du darfst also nur ein einziges Mal auf das Gleichzeichen drücken und was ausrechnen lassen“, mischte sich Steven nochmal ein. Die Musik war passend ruhig und spannungsgeladen, als Klaas Joko dabei zusah, wie er stumm, mit dem Kopf nickend sich durch die Gleichung kämpfte und dann nach dem Stift griff. Klaas übersah natürlich nicht das kurze, fragende Zucken im Gesicht seines Freundes, das der nie so ganz verstecken konnte. Zumindest nicht vor ihm.
„Joko, Joko, ganz kurz und ehrlich. Hast du eine Ahnung oder sollen wir es sein lassen und meine Hand schonen?“, die Kälte legte seine Fingerspitzen schon taub, die er leicht gegen die Wand des Eimers schlug, um ein bisschen Bewegung in der Hand zu behalten.
„Ich...“
„Ehrlich und pragmatisch gedacht!“, fuhr er ihn an und Joko blickte mit aufgerissenen Augen zu ihm. Klaas atmete tief durch und senkte leicht den Kopf, ließ Joko stumm wissen, dass das nun wirklich seine Entscheidung war, sie es aber nicht unnötig in die Länge ziehen mussten.
„Ich krieg das hin“, flüsterte Joko knapp angebunden und Klaas nickte ihm lächelnd zu. Sie hatten schon vor der ersten Show von Joko und Klaas gegen ProSieben geklärt, dass sie sich hier vertrauten und aufeinander zählten, sie sich nicht gegenseitig irgendwo reinritten, wenn es mal wirklich ernst wurde. Klar, die spaßigen Kämpfe sollten bleiben, aber sie kannten die Grenzen, vor allem die Schmerzgrenzen des anderen so gut nach all Jahren der gegenseitigen Duelle. Also zweifelte Klaas nicht an dieser Entscheidung und konzentrierte sich lieber darauf, immer wieder eine Faust zu ballen und nicht alles in dem Eiswasser absterben zu lassen.
Das Quietschen des Stiftes an dem Whiteboard war auf eine Art sogar beruhigend, so gleichmäßig, wie Joko das machte. Gleichzeitig hatte er aber sehr genau die Uhr im Blick, die auf dem Bildschirm über den Kameras eingeblendet wurde. Für solche Späße gab es nämlich Maximalzeiten vom Sender, die irgendein Arzt ihnen mal aufgestellt hatte. Danach mussten sie „aufgeben“. Darauf hatte er jetzt gerade keinen Bock, aber Joko würde das schon hinbekommen.
Seine Hand wurde immer blasser, immer blauer und er war sich sicher, dass er kein Gefühl mehr in den Fingerspitzen hatte. Das Stechen hatte sich inzwischen gelegt, dafür war da dieser brennende Schmerz, der langsam heiß wurde. Und das war nie gut. Ihm schoss die Erinnerung von einer Folge ‚Bis einer heult‘ aus neo paradise-Zeiten durch den Kopf, als sie in der Kälte den Tag am See verbracht hatten und zum krönenden Abschluss nachts schwimmen waren. Da hatte er sich auch so gefühlt und dem Kamerateam nur entgegen geworfen, was er von Reinhard Messner wusste, dass einem, kurz bevor man erfriert, nochmal ganz kurz heiß wird. Ja, es wurde zumindest langsam warm in seiner Hand.
„Wie weit bist du?“, das Keuchen in seiner Stimme konnte er nicht verstecken und er kniff die Augen zusammen, blendete alles aus außer das Kratzen vom Stift und Jokos angestrengten Atem. Wirklich, wieso klang der so, der musste doch nur rechnen! Wie lange brauchte er dafür eigentlich schon? Ein paar Minuten waren es bestimmt.
„Moment! Noch diese 1 rüber. Okay, Taschenrechner her, Taschenrechner her!“, rief Joko panisch und Klaas blickte über die Schulter. Die Tafel war vollgekritzelt und er musste zugeben, er wäre schon an der ersten Zeile gescheitert.
„Ohhhuuuuu…“, grunzte er, es wurde heiß, brennend heiß.
„Null. Das ist das Ergebnis. Null! Klausi, Hand raus!“
Auf den erlösenden Satz hatte er nur gewartet und sofort zog er den Arm hoch, hielt ihn etwas von sich, um kurz das Wasser abtropfen zu lassen, doch Joko war schon bei ihm und rubelte die Finger zwischen seinen Händen. Steven trat an die beiden ran und hielt ein Handtuch hin, was Klaas schnell um seine Hand wickelte. Joko hatte sich zwei Wärmepacks von der Pausenbank geschnappt und als Klaas dachte, seine Hand müsste abgetrocknet sein, ließ er zu, dass Joko die Wärmekissen an seine Hand hielt.
Kein Wort wurde gewechselt, bis Klaas‘ Hand grundversorgt war und gleich darauf das Zwiebeln einsetzte, das ihm verkündete, dass seine Hand wieder lebte.
„Man ey, diese Folge fängt ja super an. Erst ist mein Hals hinüber, jetzt meine Hand, was habt ihr euch noch alles überlegt?“, fragte Klaas mit einem halb gequälten Grinsen in Richtung der Regie.
„Noch so einiges, mein Freund. Wie geht‘s der Hand?“
„Sage ich dir, wenn ich wieder Gefühl darin habe.“
Joko blickte mit zusammengepressten Lippen zwischen ihren immer noch umschlungenen Händen und Klaas‘ Gesicht hin und her. Ihm war anzusehen, dass es ihm nicht gefiel, dass Klaas jetzt schon zweimal aushalten musste. Und dass dieses Aushalten wirklich heftiger war, als sonst. Oder sie hatten den Blick dafür verloren, weil die letzte Staffel schon so lange her war.
„Das nächste Mal mache ich Aushalten.“
„Klingt gut.“
Langsam fing sein ganzer Körper an mitzukriegen, was gerade passiert war, denn der kalte Schauer raste von seiner Hand durch den Arm, seine Brust runter und ließ ihn erschaudern. Prompt fingen die Zähne an zu zittern und genau das wollte er vermeiden. Denn nun blickte Joko kopfschüttelnd Richtung Kameras.
„Pause!“
„Nein, keine Pause“, widersprach Klaas schnell und zog seine Hand zurück.
„Klausi, du zitterst am ganzen Körper, du musst erstmal wieder warm werden, davor können wir nicht weiter machen. Pause!“, wiederholte er das letzte Wort nochmal bestimmt und eine Sekunde später hörte Klaas Thomas‘ Stimme, die etwas rief, und das helle Läuten, das Aufnahmestopp hieß.
Klaas stöhnte und blickte auf zu seinem blonden Freund.
„War das notwendig?“
„Ich kenne dich, du kannst mir nichts vormachen. Hat jemand mal Wärmepflaster?“
Damit verschwand Joko kurz hinter der Kamerawand und Steven nahm dessen Platz an Klaas‘ Seite ein. Gut so, denn der fing in diesem Moment an, kurz zu schwanken. Das kalte Blut aus seiner Hand hatte wohl den Weg zurück ins Herz gefunden. Er schnaubte kurz, schüttelte den Kopf, als seine Sicht außer Fokus geriet, und torkelte unter Stevens führender Hand auf seiner Schulter zur Pausenbank.
„So heftig hast du noch nie auf Aushalten-Aufgaben reagiert.“
Netterweise hatte die Regie ihre Mikros ausgestellt und so wurden ihre Stimmen nicht durch die ganze Halle getragen.
„Nee, heute ist kein guter Tag. Heute Morgen schon mit Kopfschmerzen aufgewacht.“
„Dann hör auf, das Aushalten zu übernehmen.“
„Wir hatten bei beiden Runden gute Gründe, es so rum zu machen. Mach dir nicht zu viele Sorgen.“
„Pah, selbst, wenn ich mir keine machen würde, Joko würde sich nur doppelt so viele machen.“
Klaas wusste nicht, was er antworten sollte und starrte auf seinen Schoß, wo er mit der linken Hand die immer noch deutlich unterkühlte festhielt.
„Was ist das mit…?“
„Lass es einfach.“
Klaas schüttelte den Kopf. Er hatte selbst keine Antwort, was das mit ihnen beiden war, und jetzt war definitiv der falsche Zeitpunkt, darüber nachzudenken, und der noch schlechtere Zeitpunkt, darüber zu reden. Zu viele lauschende Ohren, die etwas hören könnten, was sie nicht hören sollten.
„Aber dir ist bewusst…“
„Ja, glaub mir, ich bin mir bewusst, dass das nicht mehr die Joko und Klaas von früher sind. Können wir es jetzt dabei belassen?“, knurrte er nur leise und warf Steven einen warnenden Blick zu.
Sein Freund meinte es sicher nur gut, er hatte bemerkt, dass Steven schon länger mit ihm über diese Situation reden wollte, aber was sollte er sagen? Natürlich merkte er, dass Berührungen länger anhielten, dass ihre Blicke sich schneller fanden und nur schwer wieder losließen, dass sie sich so viel stärker um den anderen sorgten, wenn irgendwelche waghalsigen Aktivitäten anstanden. Das war nichts neues für ihn, aber er wollte und konnte gerade nicht darüber nachdenken, was das bedeutete. Weil das nur zu viel verändern würde.
„Hier“, mischte sich Joko plötzlich wieder in seine Gedanken ein, und schob Klaas‘ Hemd am Rücken etwas hoch, um ein Wärmepflaster auf seinen unteren Rücken zu kleben.
Alleine schon, dass der andere wusste, dass genau da das Wärmepflaster bei ihm hin musste, damit sich sein ganzer Körper wieder Richtung normaler Temperatur bewegte...
„Zeig mal deine Hand.“
Willig ließ Klaas die Wärmekissen im Schoß liegen und hielt dem Älteren die Hand entgegen, die inzwischen nicht mehr blau, sondern rot war vor Wärme. Er verbiss sich auf der Lippe und spannte sich so an, dass die Finger aufhörten zu zittern. Und nachdem Joko seine Finger kurz abgetastet hatte, stand Klaas schwungvoll auf. Etwas zu schwungvoll, musste einen Schritt nach vorne machen, um sein Gleichgewicht zu finden und spürte sofort Jokos Hände an seiner Hüfte, die ihn aufrecht hielten.
„Wir machen jetzt weiter.“
„Du bist noch nicht fit.“
„Wir machen jetzt weiter, sagte ich.“
Ernst verbissen sich ihre Blicke und es war ein wahrer Kampf zwischen den beiden. Aber Klaas wollte einfach weiterspielen, ganz schnell in den Hinterkopf schieben, was Steven mit nur zwei unfertigen Sätzen in den Mittelpunkt seiner Gedanken gezogen hatte.
„Thomas, es geht wieder.“ Er wartete zwei Sekunden, bis ihr Regisseur einen Daumen nach oben streckte, und Klaas in der Mitte des Spielfeldes angekommen war, um sich den anwesenden Zuschauern zuzudrehen. „Liebes Publikum, bereit machen zum Weiterdrehen, wir tun jetzt einfach so, als ob alles normal weiter lief. Aufsetzen, Haare richten. Joko, komm jetzt her.“
Das Läuten schnitt Jokos Antwort ab und die drei stellten sich wieder auf. Klaas hielt weiter seine Hand fest – und das war nicht nur zum Spielen für den Fernsehzuschauer, der den Schnitt nicht unbedingt mitbekommen sollte. Die tat verdammt weh und ruhig halten ging einfach nicht, sie zitterte wie verrückt.
„So, Klaas hat sich wieder beruhigt, seiner Hand geht es top. Und ihr seid schon bei drei Punkten.“
„Wup wup“, gab Klaas leise von sich und boxte mit der heilen Hand in Richtung Decke.
„Gern geschehen, gern geschehen“, verbeugte sich Joko spaßeshalber Richtung der beiden Tribünen, während das Publikum ihre Rolle für diese Schnittbilder sehr ernst nahm und tosenden Applaus spendete.
„Ich wusste gar nicht, dass du so gut Mathe kannst.“
„Er hat doch gesagt, dass er es hinbekommt. Hör auf meinen Winti runterzumachen.“
„Das war doch ein Lob“, wehrte Steven sich gegen die etwas zu scharf herauskommende Stimme von Klaas. Der konzentrierte sich aber noch immer auf seine Hand, die langsam anfing zu pochen. Alles gute Zeichen, aber es lenkte halt schon ab.
„Einfach war das trotzdem nicht. Habt ihr vorher noch einen Matheprofessor angerufen?“, echauffierte Joko sich.
„Ja, so ungefähr, nur um euch so mitteilen zu können, dass ihr eine Null seid, genauso wie das Ergebnis, dass du wunderbar richtig berechnet hast.“
„Ha ha“, grinste Joko ihren Moderator an und legte Klaas wie nebenbei den Arm um die Schultern. Dass das sehr wohl bewusst geschah, merkte der Kleinere an den Fingern, die kleine Kreise durch sein Hemd malten und ihn an seine Seite drückten, um seinen Kreislauf noch ein bisschen zu unterstützen, bis der sich reguliert hatte. Einerseits war das zu nah, zu viel für Klaas, aber andererseits hatte er sich so dran gewöhnt, Joko in diesem Showformat zehnmal mehr zu berühren als in allen anderen Shows gemeinsam und gerade brauchte er die Stütze doch noch.
Es brachte ihn trotzdem noch einen Moment durcheinander, dass sie ihre ruhige, vertraute Seite auch einmal vor der Kamera zeigten, sodass er kurz aus dem Konzept gebracht auf den Boden starrte und nicht wusste, ob er sich in das Gespräch einmischen sollte.
„Klaas, wirklich alles gut?“, erkundigte sich Steven noch einmal und auf Klaas festes Nicken fuhr ihr Moderator fort. Das resignierte Seufzen von Joko, das eindeutig seinen Unwillen, so weiterzumachen, zeigte, ignorierte er gekonnt.
So wie er auch die Nähe zu Joko und den damit einhergehenden komischen Herzschlag gekonnt ignorierte.
Gerade konnte er die Aufmerksamkeit gut auf seine Hand und auf die nächste Runde richten.