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Fünf Spiele gewonnen

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Die Musik wurde immer lauter, das Dröhnen vom Applaus ging durch den Magen und die beiden Moderatoren mussten sich gegenseitig angrinsen. Egal, wie häufig sie die sonore Stimme vom lieben „Herrn ProSieben“ hörten, der ihren Auftritt ansagte, es war immer ein Moment, der das Adrenalin für die nächsten Stunden der Aufnahme hochschießen ließ.
„Herzlich Willkommen. Hier sind Joko und Klaas.“
Klaas‘ Augen blitzten bei Jokos breitem Lächeln und mit einem Zeichen ihres Regieassistenten, der für Ordnung hinter der Bühne verantwortlich war, traten die beiden in das aufgebaute Studio. Mit langen Schritten stieg Joko die paar Treppenstufen hinunter, im selben Moment landete Klaas mit einem kleinen Sprung über die letzten beiden Stufen auf dem riesigen Bildschirmboden. Eine Verbeugung nach rechts, ein Winken nach links, schon waren sie in der Mitte des bunt leuchtenden Spielfeldes angekommen.
„Vielen Dank!“, rief Klaas mit einem Blick Richtung ProSieben-Block. „Einen wunderschönen guten Abend“, begrüßte Joko ihre Zuschauer mit einer weiteren, angedeuteten Verbeugung. Ein paar Schritte sich selbst im Kreis drehend fanden sich ihre Augen wieder und das Grinsen auf Jokos Lippen wurde noch einen Tick breiter, während Klaas leise „Hallo“ brummte. Ihre Hände trafen sich für einen kräftigen Händedruck, verblieben ein paar Sekunden, bis sie sich noch einmal dem Publikum zu wandten und tief durchatmend nickten.
„Meine Damen und Herren, bitte begrüßen Sie Ihren Gastgeber und offiziellen Zeremonienmeister, Steven Gätjen.“ Die Scheinwerfer wurden dunkel, der Lichtkegel auf dem Podium ließ nur die Silhouetten der beiden erkennen, wie sie mit hinter den Rücken gelegten Armen in Richtung der Armee von Kameramännern blickten.
Und dann brach ein weiteres Mal der Applaus aus, die rockige Musik begleitete ihren Freund und Moderator der Show die Treppe herunter und auch Joko und Klaas begrüßten ihn mit dem verdienten Applaus. Immerhin schaffte er es, die beiden jedes Mal aufs Neue für die nächste Aufgabe einzunorden und auf diesem schmalen Grad zwischen Unterstützung für die beiden und Kampfgeist für ProSieben zu wandern.
„Hallo, hallöchen, einen wunderschönen guten Abend, alles gut, beruhigen Sie sich!“ Die Umarmungen der drei wurden vom weiteren Jubel begleitet, das Publikum stand und strahlte diese energievolle Vorfreude aus, die Klaas am Anfang der Show so liebte.
Mit beschwichtigenden Armbewegungen zum Publikum wandte Joko sich um, Klaas sah ihm dabei belustigt zu, wie sich sein Kollege zum Affen machte. Als ob so ein Armschwenk Ruhe bringen würde. Steven ließ das unberührt und er moderierte mit festem Blick in die Kamera die Show an.
„Herzlich Willkommen.“
Nach nur zwei Wörtern war der feste Blick aber wieder weg und er musste leise lachend zum Publikum schauen, das weiter johlte und klatschte und stampfte, dass Klaas sich manchmal wunderte, dass die Tribünen diesem Angriff gewachsen waren.
„Herzlich Willkommen zur besten Samstagabendshow-Unterhaltung an einem Dienstag-Abend.“
Joko legte Klaas eine Hand auf die Schulter und beugte sich zu dessen Ohr runter.
„Gut, dass nicht Samstag ist, da habe ich schon was anderes vor.“
Klaas lehnte sich so leicht zurück, dass er in die braunen Augen seines Freundes blicken konnte und sah das Augenbrauenwackeln. Lachend schüttelte er den Kopf und streifte nebenbei die Hand von seiner Schulter, die da immer noch lag und die Hitze der Scheinwerfer nur noch verstärkte.
„Ja ja, du mich auch, du warst ewig nicht mehr bei einem meiner Konzerte.“
„Wer weiß, vielleicht diese Woche?“
Ein Tippen an seiner anderen Schulter ließ Klaas herumfahren und auch Joko zuckte zusammen, als Steven und das Publikum wieder in seinen Fokus gerieten.
„Wenn ihr beide mit tuscheln fertig seid, würden wir eigentlich gerne anfangen. Ohne euch wird das ein bisschen schwierig, denn immerhin ist das hier Joko und Klaas gegen ProSieben.“
Stevens Lachen war deutlich hörbar und ein paar übereifrige Publikumsinsassen gröhlten kurz, was Joko nur verständnislos die Augenbrauen zusammen ziehen und kopfschüttelnd in die Ecke der Tribünen blicken ließ.
„Warum eigentlich immer Joko und Klaas, warum nie Klaas und Joko?“, fragte Klaas dann, um schnell weiter zu machen im Konzept und ihre kleine Unterhaltung über Freizeitbeschäftigungen und ausbleibende Konzertbesuche hinter sich zu lassen.
„Weil ich größer bin.“
Joko wippte dümmlich grinsend auf seinen Fußballen und nickte einmal in die Kamera, Klaas sah ihn nur mit erhobenen Händen an.
„Das macht einfach gar keinen Sinn.“
„Dann weil mein Name kürzer ist.“
„Wir können die Show auch gerne Klaas und Joachim gegen ProSieben nennen, dann habe ich den kürzeren Namen.“
Klaas wandte sich immer weiter Joko zu, drehte den Rücken zur Kamera und starrte den Blonden an, der sein Grinsen scheinbar unterdrücken wollte, aber nur dämlich dabei aussah, wie seine Mundwinkel sich zur Seite zogen und seine Unterlippe von seinen Vorderzähnen malträtiert wurde.
„Okay, bevor das hier ausartet und ihr vergesst, dass ihr hier als Team spielt, erkläre ich nochmal kurz das Spiel.“
Steven legte bestimmend seine Hände auf Klaas‘ Schultern und drehte ihn zurück in Richtung der Kameras. Der Kleinste des Trios schüttelte kurz den Kopf, verschränkte die Arme und nickte seinem Kollegen links neben sich zu. Ein stummes Zeichen für alle, dass alles gut war und die Aufnahme weiterlaufen konnte. Solche Szenen waren doch Futter für Fans und gelangweilte Fernsehzuschauer. Genau so was waren doch alle gewöhnt von ihnen beiden.
„Nochmal zur Erinnerung, das hier ist Joko und Klaas gegen ProSieben, über den Titel reden wir nicht weiter. Aber dafür ist Name auch Programm.“
Das Publikum hatte sich beruhigt und wieder Platz genommen. Joko beugte sich aber nochmal schnell zu Klaas herunter und flüsterte „Am Samstag bin ich dabei.“ zu.
„Man Joko, jetzt hör doch mal auf, ich will mich hier konzentrieren!“
Mit den Armen wedelnd scheuchte der Dunkelhaarige den jetzt lachenden Joko weg, der vier Schritte im Kreis ging und dann, den bösen Blick von Steven auffangend, die Lippen zusammen presste und sich einmal, Chauffeur-mäßig, an den Kopf tippte.
„Mein Gott, was soll das heute bloß werden? Soll ich mich zwischen euch stellen? Hallo, ihr seid ein Team! Wenn das so weiter geht, ade Preis!“
„Ja Mensch, Steven, was ist denn nun unser Preis?“, stellte Klaas sich auf unwissend und blickte Steven mit großen Augen an. Der lachte nur und tippte ihm mit den Moderationskarten auf die Brust.
„Sehr gute Frage, Herr Heufer-Umlauf. Dazu komme ich gleich, kurz vorher: Diese beiden jungen, attraktiven, gewissenlosen und lebensmüden Männer fordern ein weiteres Mal ihren Arbeitgeber, ProSieben, heraus. Und, weil wir uns gerne einen Spaß daraus machen, euch beiden leiden zu sehen, wird dieses Duell immer wieder angenommen.“
Kurzer Szenenapplaus und Klaas drehte sich zu Joko um, der ihm bereits, als ob sie es geprobt hätten, die Hand entgegenstreckte, um übertrieben und theatralisch auf die kommenden Stunden einzuschlagen. Sie hatten es wirklich nicht geprobt, aber mehr als 15 Jahre gemeinsame Arbeit halfen einem sehr gut einzuschätzen, wie der Partner auf so eine Aussage reagieren würde.
„Wir spielen sechs Spiele plus ein großartiges Finale, an dessen Ende Himmel oder Hölle wartet. Oder auch beides gleichzeitig, je nachdem ob Sie mich oder die beiden Clowns neben mir fragen.“
„Haha, ja, guter Spruch, wie lange hast du gebraucht, bis du dir den ausgedacht hast?“
„Vier Minuten“, antwortete ihr Moderator mit einem ersten Blick, den er aber mit einem Kopfrucken unterband und wieder in die Kamera 4 für frontale Nahaufnahmen sah.
„Also, Hölle für die beiden, wenn sie verlieren, denn dann stellen sie sich in den Dienst des Senders. Der hat sich wieder eine schöne Strafe ausgedacht, aber die verrate ich nicht bis genau vorm Finale. So als kleiner Ansporn, bis dahin gut zu spielen und dem Unbekannten möglichst gut entgegen zu treten. Himmel wird es hingegen für euch, wenn ihr gewinnt. Dann habt ihr 15 Minuten Sendezeit, live auf ProSieben, morgen Abend, am Mittwoch, 20.15 Uhr. Keiner von ProSieben, darf – und will – euch da reinreden. Dann könnt ihr da sehr gerne über Namen und Showtitel diskutieren, wird dann bestimmt spannend morgen Abend.“
„Oh, wir haben schon viel bessere Ideen. Wart nur ab!“ Joko lächelte geheimnisvoll und Klaas rieb sich unheilverkündend mit hochgezogenen Schultern die Hände.
„Okay, so langsam kriege ich echt Angst vor den Beiden“, trat Steven einen Schritt zur Seite und blickte hilfesuchend durchs Publikum. Das lachte nur kurz und alle drei nahmen wieder Position ein.
„Bevor ihr, was auch immer ihr euch in euren kranken, aber manchmal doch genialen Köpfen, ausgedacht habt, müsst ihr aber, wie gesagt gewinnen. Dabei helfen euch die Vorteile, die ihr in den sechs Spielen zuvor erspielen könnt.“
„Ja!“
„Let‘s go!“
Klaas hielt die Hand zum High Five hoch und Joko schlug mit übertriebenem Lachen und Luftsprung ein.
„Wir haben tolle Gäste, spaßige und nicht so spaßige Spiele und langsam keine Sendezeit mehr, weil zwei gewisse Herren heute deutlich mehr reinquatschen als sonst.“
„Was wir?“
„Das würden wir doch nie tun!“, pflichtete Klaas dem Blonden bei und die beiden kugelten sich vor Kichern wie zwei Erstklässler.
„Herr, schick mir Geduld. Ohne weiter zu warten, los geht‘s!“
Die Scheinwerfer fuhren ein, der PorSieben-Jingle übertraf auch das laute Klatschen des Publikums und der Boden blitzte hell auf, um die große Eins zuzeigen. Joko drehte sich hibbelig seinem Kumpanen zu, die sich kurz nochmal ermutigend zunickten. Das Ziel heute war wieder klar: Gewinnen, und wenn‘s geht auch gerne mit dem Jackpot für alle sechs Spiele.