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Abyssus Abyssum invocat

Chapter Text

„Und dann haben Mr. Schnuffel und ich Mummy beim Keksebacken geholfen“, plapperte das kleine Mädchen weiter. Mit stolzer Miene präsentierte sie ihrem Vater einen der kleinen Plastikteller, der zu dem quietschbunten Puppenservice gehörte und auf dem die besagten Kekse lagen.

„Hmm, die sehen wirklich unwiderstehlich aus. Darf ich?“

„Du musst erst Mr. Schnuffel fragen, ob er auch einverstanden ist“, erwiderte die Kleine. Ihre Miene war übertrieben feierlich, eine amüsante Nachahmung des Ernstes von Erwachsenen.

Moff Graver wechselte einen vielsagenden Blick mit seiner Frau, die leise lächelte. Sie saß neben ihnen auf dem großen Sofa, dessen Kissen und Polster aus schwerem, sündhaft teurem Brokat waren, und hatte die langen, schlanken Beine übereinandergeschlagen. Sie war nebenbei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen – dem Durchblättern eines holographischen Modekatalogs – nachgegangen und hatte das Pad nun beiseitegelegt. Der Moff gestattete sich einen Moment, in dem er in ihrem Anblick schwelgte. Sie war wie alles hier eine Folge seiner tapferen Taten im vergangenen Krieg. Sein ehrenvoller Titel, sein luxuriöser Amtssitz, seine schlagfähige Flotte, seine blutjunge, bildschöne Frau mit nobelster Abstammung aus dem imperialen Adel – alles eine Folge seiner Verdienste in den Schlachten von Utapau, Agamar, Ord Ibanna und natürlich der Plünderung Coruscants, der großen Ruhmesstunde des Imperiums. Jahrzehnte hatte er gekämpft, Jahrzehnte hatte er nach oben gebuckelt und nach unten getreten, um jene Position zu erlangen, die er jetzt innehielt. Er sah es nicht mehr und nicht weniger als sein gutes Recht an, sich nun dem süßen ruhigen Leben hinzugeben, das er sich Dekade um Dekade verweigert hatte. Und mittlerweile hatte er daran großen Gefallen gefunden. Dementsprechend weich und nachsichtig – so verschieden zu dem harten Soldaten, der er einmal gewesen – war das Lächeln, das er seinem kleinen Töchterchen schenkte, bevor er sich an ihren Stoffhasen wandte. „Erlaubnis erteilt, mir einen Keks zu nehmen, Sir?“

Das kleine Mädchen kicherte beim militärischen Jargon ihres Vaters, der durch den neckenden Tonfall aufgelockert wurde. „Erlaubnis erteilt“, erwiderte sie, ihre helle Stimme so tief und dunkel, wie ihr möglich war.

„Hmm, die sind wirklich lecker …“, sagte er dann, noch während er kaute.

„Aber Daddy, Mummy hat doch gesagt, man darf nicht mit vollem Mund sprechen“, wurde er sofort von seinem Töchterchen gemaßregelt. Zur Strafe wurde ihm der restliche Keks abgenommen.

„Aber Plami, Schätzchen, du kannst doch nicht so mit deinem Vater umgehen“, ermahnte sie ihre Mutter sogleich.

Doch der Moff sprang augenblicklich für sie in die Bresche. „Wo sie Recht hat, hat sie Recht“, konstatierte er schlicht.

„Natürlich. Unter deinem Kommando wurden zwar Tausende von Soldaten ausgebildet, aber dein einziges Kind verziehst du.“ Um ihre Aussage zu unterstreichen, hatte sie demonstrativ die Augenbrauen erhoben.

Ihr Mann ahmte ihre gestrenge Miene so übertrieben nach, dass seine Tochter hinter vorgehaltener Hand hell kicherte. Seine Frau, aufgrund ihres jungen Alters selbst noch kindlicher, als sie eingestehen würde, konnte den gespielten Ernst nur wenige Augenblicke länger aufrechterhalten, bevor sie widerwillig grinste. Der Moff ergriff währenddessen ihre Hand, um einen sanften Kuss auf deren Rücken zu hauchen. „Hat man bei einem so süßen Spatz nicht das Recht, sie zu verziehen?“

„Unbedingt.“

Die Familie fuhr zusammen. Keiner von ihnen hatte die in Mantel und Kapuze gehüllte Gestalt bemerkt, die im Schatten des Türrahmens stand. Der Moff, als Veteran des letzten Krieges, fand seine Haltung jedoch augenblicklich wieder. „Identifizieren Sie sich! Sofort!“, fuhr er die Person an. Seine Hand fuhr instinktiv an seine Seite, wo er seine Blasterpistole trug. „Rayman“ bellte er in seinen Komlink am Handgelenk, seinen Adjutanten herbeirufend, während er seine Waffe zog.

„Sparen Sie sich Ihren Atem, Moff“, erwiderte der ungebetene Gast. Die Stimme verriet, dass es eine Frau sein musste. „Es wird niemand kommen.“

Doch Moff Graver wäre nicht so weit in der imperialen Hierarchie aufgestiegen, wenn er so einfach aus der Fassung zu bringen wäre. Als geübter Schütze, der er war, hob er die Pistole und entsicherte sie mit einer raschen Bewegung seines Daumens. Doch mit einer Bewegung, die zu schnell für seine Augen war, hatte die verhüllte Gestalt den Arm ausgestreckt. Der Moff konnte nur überrumpelt dreinblicken, als ihm eine unsichtbare Kraft die Waffe entriss und geradewegs in die Hand seines Gegenübers fliegen ließ. Ein klammes Gefühl machte sich in Gravers Brust breit, doch er bemeisterte seine aufkommende Furcht, gerade um seiner Frau und seiner kleinen Tochter willen. „Also schön“, sprach er, nachdem er ihre Person eindringlich gemustert hatte. Er nahm eine aufrechte, stolze Haltung ein. „Wer will meinen Tod?“

„Ich will ihn“, antwortete die junge Frau, während sie den Blaster locker in ihren Gürtel steckte.

„Natürlich wollt Ihr ihn“, gab er ältere Mann zurück. Ein verächtlicher Ausdruck kräuselte seine Lippen. „Ihr seid schließlich Attentäter, ein billiger Handlanger, der feige und hinterhältig zuschlägt. Doch wer ist Euer Meister? Ich kann mich nämlich nicht entsinnen, welchen Sith-Lord ich verärgert haben soll.“

Ein leises, sardonisches Lächeln wurde unter ihrer Kapuze sichtbar. „Sie haben mir nicht zugehört. Ich bin es, der Ihren Tod will. Ich allein.“

Die soldatisch harte Miene, die der Moff im Angesicht des bevorstehenden Todes aufgesetzt hatte, wich einem verunsicherten Ausdruck. „Aber … Dann verstehe ich nicht. Was soll ich Euch getan haben, dass Ihr mich töten wollt?“

Da schlug die Frau die Kapuze zurück. Der Moff, der mit allen Anzeichen gerechnet hatte, die für einen Sith so charakteristisch waren, den typisch gelben Augen und den schwärzlichen Adern, wurde von ihrem Anblick enttäuscht. Sie schien so normal wie jeder andere weibliche Angehörige der menschlichen Spezies. „Sie kennen mich nicht mehr, nicht wahr?“, fragte sie nach einigen Augenblicken, die sie ihm zum Nachdenken gewährt hatte.

„Sollte ich Sie– Euch denn kennen?“, gab der Moff zurück, unsicher, wie er sie nun ansprechen sollte. Nichts an ihr sagte ihm etwas, nicht ihr herzförmiges, blasses Gesicht, nicht ihr rabenschwarzes Haar, das zu einem hohen Knoten zusammengesteckt war, und auch nicht ihre klaren, blauen Augen unter dem langen Pony, die keine Sekunde von ihm wichen. Wieder verzerrte dieses gequälte Grinsen ihre Züge, denen noch etwas Kindliches anhaftete, obwohl er ihr Alter auf ungefähr Mitte Zwanzig schätzte. „Wagt es nicht, meiner –“, bellte er wieder, als sie zu seiner kleinen Tochter hintrat, die seine Frau beschützend auf den Schoß genommen hatte.

„Weißt du, ich kannte auch einmal ein kleines Mädchen, das von seinen Eltern Spatz genannt wurde. Willst du wissen, wer sie war?“, sprach sie mit leiser Stimme, die in der Stille des Salons erschreckend laut erklang, während sie vor dem Kind niederkniete. Ohne auf eine Antwort zu warten fuhr sie fort: „Es war eine Padawan-Schülerin, eine wahrhaft törichte. Sie war schon in jungen Jahren stark in der Macht, ohne es zu wissen, und weil sie so anders und seltsam erschien, fürchteten und mieden die anderen Menschen sie. Und als sie von den Jedi entdeckt und mitgenommen wurde, war ihre eigene Familie froh, sie losgeworden zu sein. Man bildete sie aus, obwohl sie schon zu alt war, um als Jüngling aufgenommen zu werden, und in den folgenden Jahren, unter der Ägide ihrer Meisterin, vervollkommnete sie ihre Fähigkeiten, bis sie überzeugt war, die Prüfungen zum Jedi-Ritter weit vor der Zeit ablegen zu können. Doch sie scheiterte …“ Sie hielt in ihrer Erzählung kurz inne. Ein Ausdruck der Melancholie, der schwermütigen Erinnerung huschte über ihre Miene. „Ihre Meisterin hieß sie daraufhin im Tempel zu bleiben und über ihr Versagen zu meditieren, bevor sie zu den Friedensverhandlungen nach Alderaan aufbrach. Aber sie wurden betrogen, die Schülerin und die Meisterin, die Jedi und die Republik, denn während letztere mit dem Imperium noch um ein Ende des Kriegs verhandelten, überfiel die Sith Coruscant und zerstörte den Tempel, nachdem sie dort eingedrungen und alle Jedi getötet haben, derer sie habhaft wurden. Während des Überfalls, bei dem die Padawan-Schülerin auch anwesend war, erhielt sie von einem Meister die Anweisung, die Jünglinge in Sicherheit zu bringen. Sie kämpfte tapfer, tötete zum ersten Mal in ihrem jungen Leben – und wurde schmählich besiegt. Sie hatte versagt und der Preis ihres Versagens war der Tod der Jünglinge. Man hatte sie gezwungen, jeden einzelnen Mord mitanzusehen, jeden Streich, jeden Stich, mit denen die Kinder abgeschlachtet wurden. Aber das war nicht ihr Ende – noch nicht. Man hatte herausgefunden, wer ihre Meisterin war, und beschlossen, ihren Tod als Spektakel zu inszenieren.“

Ihr Blick, der die ganze Zeit über auf dem kleinen Mädchen geruht hatte, dessen große, dunkle Augen sie so unschuldig wie verwirrt anstarrten, wanderte bei ihren letzten Worten zurück zu ihrem Vater. Hatte der Moff bisher nicht minder irritiert dreingeblickt, so dämmerte jetzt langsam die Erkenntnis in seinen Zügen herauf. „Nein“, sprach er leise, zu sich gerichtet, als er sie abermals musterte. Das Wiedererkennen erfolgte schließlich in Kombination mit einer Welle klar ersichtlicher Furcht. „Das ist nicht möglich …“

„Unglücklicherweise“, fuhr die junge Frau fort, während sie langsam aus ihrer knienden Position aufstand, den Moff nicht aus den Augen lassend, „hat die Padawan-Schülerin ihre Exekution überlebt und hegt nun das gerechtfertigte Verlangen, für das erlittene Unrecht Vergeltung einzufordern.“ Mit einer Bewegung, so schnell, dass sie für nicht-machtsensitive Personen nur als ein verschwommener Schemen wirkte, hatte sie den Blaster gezückt. Die Mündung zielte unmittelbar auf seine Brust.

„Darius“, stieß seine Ehefrau aus. Ihre Stimme war panisch-schrill und ihre Fingernägel tief in das Kleidchen ihrer Tochter gekrallt, als sie das kleine Mädchen an ihre Brust presste.

Der Moff signalisierte ihr mit einer militärisch knappen Handbewegung, die keinen Widerspruch zuließ, dass sie schweigen möge. Er atmete tief durch und nahm dann Haltung an, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. „Ihr habt Recht“, sagte er dann. „Ich erinnere mich an Euch. Ihr wart der Padawan von Meisterin Shan, nicht wahr?“ Dass seine Frage rein rhetorischer Natur war, zeigte das bittere Lächeln, dass seine Züge verdunkelte. Mit langsamen, gesetzten Schritte trat er zu der weiten Glasfront hin, die tagsüber einen weiten Blick über die felsigen Ebenen von Begeren gestattete. Jetzt aber spiegelte sich nur sein Abbild in den dunklen Scheiben wider. „Ich kann nachvollziehen, dass Ihr Rache für das wollt, was damals im Tempel geschehen ist. Dennoch könnt Ihr nicht erwarten, dass ich für meine Taten um Verzeihung biete. Ich war und bin Soldat, und Soldaten befolgen Befehle. Und wenn Ihr mich nun dafür töten wollt, so werde ich nicht um Gnade betteln.“ Er machte eine Pause. Die Stille im Raum wirkte dröhnend, vibrierend. „Aber … wenn Ihr noch nicht vergessen habt, dass Ihr einmal ein Jedi wart, dann bitte ich Euch darum, mich zumindest nicht vor den Augen meiner Familie zu töten.“ Seine dunklen Augen waren fest auf ihre blauen gerichtet. Für einen Moment blitzte ein Ausdruck in ihrer Miene auf, der jede Härte, jeden Hass in ihr verneinte. Der Moff glaubte gar schon erkennen zu können, dass sie den Blaster sinken ließ.

Instinktiv krümmte er sich zusammen, als sie dann aber zweimal den Abzug betätigte. Die Augen zusammengedrückt wartete er auf den Schmerz, der nicht kommen wollte, und so sah er auf. Sein Blick folgte ihrem Arm bis zu der Waffe, die nicht auf ihn, sondern zur Seite gerichtet war. Seine Frau hielt noch immer ihre Tochter in den Armen, der Kopf des kleinen Mädchens ruhte auf der Brust seiner Mutter, deren Körper nach hinten gegen die weichen Polster gesunken war. Beider Augen waren noch geöffnet, starr dreinblickend, während aus den Einschusslöchern an ihren Schläfen der Dampf der Plasmaladungen stieg. „Ich –“, stotterte er, „Ihr –“ Weitere Worte folgen, ohne Zusammenhang gestammelt, hilflose Versuche, das eben Geschehene nachzuvollziehen. Er zitterte, seine Beine knickten ihm mehr als einmal weg, als er zu seiner Familie hinüberstolperte. Wieder murmelte er Worte, die keine Kohärenz besaßen. Seine Stimme, zuvor so beherrscht und autoritär, war leise geworden, heiser, brüchig.

Die junge Frau, die den Blaster unterdessen wieder in den Gürtel gesteckt hatte, verfolgte jene seiner Regungen aufmerksam. Ihre Miene gab nichts zu erkennen, einzig ihre vormals klaren blauen Augen hatten ein fahles Leuchten bekommen. „Warum?“, stieß er schließlich aus, gefolgt von einem gequälten Laut, der sich als Aufschluchzen herausstellte.

„Sie baten mich darum, Sie nicht vor den Augen Ihrer Familie zu töten.“ Sie zuckte lapidar mit den Achseln. Einem sorgsamen Beobachter konnte aber nicht die Anspannung entgegen, die ihren Körper durchzog, und auch nicht den grausamen Ausdruck um ihre Mundwinkel herum, die langsam die Form eines bösen Lächelns annahmen.

Worte konnte nicht beschreiben, wie dieses Lächeln die Seele des Mannes vor ihr brach, und es gab auch keine Worte, die er ihr dafür hätte entgegenschleudern mögen. Es war reiner Instinkt, stumpf und blind, der ihn aufspringen und auf sie zurennen ließ. Es bedurfte nur einer knappen, herrischen Handbewegung, damit ihn eine unsichtbare Kraft von den Füßen riss und gegen die weite Glasfront schmetterte. Das Glas knirschte und splitterte unter dem Aufprall, ohne zu brechen. Stoßweise ein- und ausatmend versuchte Graver, sich vom Boden hochzustemmen. Er hätte es ebenso gut sein lassen können, da die junge Frau, deren Identität er zu spät erkannt hatte, abermals die Hand erhob, und wiederum wurde er, hilflos wie die Puppen seiner kleinen Tochter, in die Höhe gezogen. Sie betrachtete ihn einen Moment, den Kopf fragend zur Seite geneigt, doch lag nichts Neckendes oder Ironisches darin. „Sie haben wohl geglaubt, dass Sie so einfach davonkommen würden … Dass euch niemand dafür zur Rechenschaft zieht, was ihr in unserem Tempel getan habt, weder der Senat oder die verbliebenen Jedi …“ Ein bitterer, verbitterter Ausdruck verzerrte ihre Miene für einen Moment. „Aber ihr habt euch alle geirrt. Ihr habt uns betrogen und dafür werdet ihr bluten, ihr alle, ihr Imperialen und die Sith, und –“

„Erspart mir Euer selbstgerechtes Geschwätz!“, bellte der Moff. Sein Gesicht war aufgrund des Macht-Griffes, mit dem sie ihn gepackt hatte, rot angelaufen. „Sie hätten dir den Kopf abschlagen sollen, dir dreckigen Jedi-Abschaum, und dich mit ihren Blitzen zu einem Häufchen Asche verbrennen!“

Sein Ausbruch ließ sie zusammenzucken, ließ sie einen Schritt zurücktreten. Als sie aber den Schreck und die plötzliche Erinnerung, die seine Worte in ihr ausgelöst hatten, einen Moment später von sich abschüttelte und mit langsam ruhigen Schritten auf ihn zuging, war das Blau ihrer Iriden noch fahler und gelblicher geworden. „Das ist gut“, wisperte sie, vielleicht zu ihm, vielleicht zu sich selbst. „Oh, das ist gut. Ich hatte nämlich schon Sorge, dass Sie Ihre Taten möglicherweise bereuen könnten, jetzt, da Sie selbst Vater sind. Beziehungsweise“, sie warf einen Blick, der vor falschem Bedauern nur so triefte, auf sein totes Töchterchen hinüber, „waren.“ Wieder entstellte dieses Lächeln, durchfressen von Bosheit, ihr Gesicht. „Aber ich freue mich zu sehen, dass Sie sich so gar nicht verändert haben, Eure Exzellenz.“ Zusätzlich zu der korrekten Anrede deutete sie eine Verbeugung an, wie es das imperiale Gesetz als Respektsbekundung für einen Inhaber des Moff-Titels vorsah. „Es würde mir dann nicht halb so viel Freude bereiten, Sie zu töten. Sie wissen ja, wie man sagt: Den Guten Gutes und den Bösen Böses.“

„Und Ihr als Richter darüber, wem was zusteht?“ Gravers Stimme war ruhig geworden und zynisch, bevor er ein Schnauben ausstieß. „Seht Euch selbst an, seht, was aus Euch geworden ist, Violet Spes.“ Es hatte gedauert, bis er ihren unbedeutenden Namen aus den hinteren Winkeln seines Gedächtnis zusammengekratzt hatte, doch jetzt, endlich gefunden, spukte er ihn voller Verachtung heraus. „Was würde nur Großmeisterin Shan sagen, wenn sie sehen könnte, was aus ihrem einstigen Vorzeige-Padawan geworden ist?“

Sie erstarrte kurz, dann trat sie ihm mit voller Wucht ins Gesicht. „Wagen Sie es nicht, über meine Meisterin zu sprechen!“, schrie sie. Ihre schrille Stimme überschlug sich förmlich, als der letzte Rest ihrer Beherrschung von ihr abfiel.

Der Moff, der sich die gebrochene, blutende Nase hielt, stieß ein abgehaktes, keuchendes Lachen aus. „Ich dachte, es gebe keine Leidenschaft, sondern nur Gelassenheit?“ Seine Verspottung des Jedi-Kodex brachte ihm einen weiteren Tritt ins Gesicht ein.

Keuchend am Boden liegend, speiübel und schwindelig von der Gewalteinwirkung gegen den Kopf, schaffte er es dennoch, ihr einen Blick zuzuwerfen, der voll unbeugsamer Härte und Hass war. Ihr Atem ging nicht minder schwer als seiner, als sie auf ihn niedersah. Dann griff sie in ihren Mantel. Der Moff hatte erwartet, dass sie ihr Lichtschwert zücken würde, stattdessen zog sie langsam ein Jagdmesser aus seiner ledernen Scheide zog. „Heute ernten Sie, was Sie in Coruscant gesät haben, Moff“, flüsterte sie.

„Und heute seid Ihr zu dem geworden, das Ihr früher bekämpft habt“, zischte Graver zurück. „Ihr steht einem Sith in nichts mehr nach.“

Der fahle Glanz ihrer Augen verstärkte sich bei seinen Worten, bis er die brennend-gelbe Farbe eines Sonnenuntergangs angenommen hatte. „Ach, tue ich das?“ Ein weiterer Tritt ins Gesicht warf ihn rückwärts auf den Boden. „Dann brauche ich mich ja nicht mehr zurückzuhalten, nicht wahr?“ Mit einem zähnebleckenden Grinsen beugte sie sich über ihn und rammte ihm das Messer in den Abdomen.