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Warum kannst du es nicht sein? Ich will dir geben, was du dir ersehnst und brauchst, aber wie kann ich das, wenn ich nicht weiß, was es ist? Warum bist du, selbst wenn wir einander so nah sind, so weit weg?

KANN ICH DENN GAR NICHTS TUN?

Das Verlangen flammt wieder in mir auf, als ob mein Körper meinen Verstand von solchen trübsinnigen Gedanken abhalten will. Überall ist Krieg, bei den Menschen genauso wie in MaKai – nur hier in dieser Höhle ist Frieden. Ist dir ersteres etwa lieber, du schöne Kreatur, zieht es dich dorthin? Kann ich dir wirklich gar kein Gefühl der Zuneigung entringen?

„Woran denkst du, Zâdei?“

Eeh? Willst du das wirklich wissen, obwohl du völlig gleichgültig dreinschaust?

„Daran, dass ich bald zurück muss“, seufze ich.

Du krümmst still eine Augenbraue. Glaubst du mir nicht? Du kennst den Grund, warum ich für dein Leben zahle, nur den Preis dafür werde ich dir niemals sagen können.

„Warum lässt du mich nicht einfach sterben?“, forschst du weiter, nicht willens nachzugeben, bis du eine Antwort hast, die dich und deine Vernunft zufriedenstellt. „Du gewinnst nichts dabei, und ich bin nicht von Nutzem für dich.“

Noch immer liegst du auf mir und nachdem du alles ins Rollen gebracht hast, glaubst du so was? DU warst es, der den Kampf eröffnet hat, in dem Augenblick, als du mich freigelassen hast! Du dienst mir nicht, um Laures zu vernichten, das stimmt. Aber du meinst, nutzlos für mich zu sein? DU bist der Grund dafür, dass ich will, dass wir BEIDE leben!

Ein Hauch von Bedauern hat deine Stimme gefärbt, den ich auch irgendwo in deinen meergrünen Augen zu finden glaube. Merkst du, wie schwer mir das Lachen fällt, in das ich meine Worte jetzt kleide?

„Du gehörst MIR, also stirbst du erst, wenn ICH es erlaube!“

Ich bin ein selbstgerechter Bastard, ich weiß. Du hasst mich für das, was ich dir antue, und doch bist du wehrlos dagegen...

Du bist so schön... ob hochmütig oder überrascht, gleichgültig oder wütend. Ich will dich...

Wie zufällig streift mein Blick zu den Früchten, bei deren Auswahl ich mir so viel Mühe gegeben und die ich nicht vergessen habe. Sie stehen nicht weit von uns, und so streck’ ich meinen Arm aus, um einen der Pfirsiche zu nehmen, breche ihn vorsichtig in kleine Stücke, um dich damit zu füttern. Auch wenn du es nie zugeben würdest – du musst Hunger wie ein Flugdrache haben. Dass du dir dieses kleine Spielchen gefallen lässt, beweist es. Du bleibst sogar auf mir liegen und stützt dich mit verschränkten Armen auf meinem Brustkorb ab, erlaubst, dass sich meine Arme für jeden weiteren Bissen erneut um dich schlingen – nachdem der Versuch, mir eine Hälfte aus der Hand zu nehmen, um selbst abzubeißen, gescheitert ist. Auf die Idee, mir in den Finger zu beißen, bist du zu meinem Glück noch nicht gekommen.

Ooooh, dir läuft Saft am Kinn runter... Grinsend ziehe ich deinen Kopf zu mir runter und lecke die süße Flüssigkeit auf, bevor deine Hand mir zuvorkommt. Meine Zunge legt eine feuchte Spur dein Kinn entlang, die Kehle runter, während meine Hände dich an ihrem Platz halten, auch wenn du Widerstand leistest.

„Zâdeiiiii...“, zischst du zappelnd.

„Ein Engel mit Pfirsichgeschmack, da kann ich einfach nich’ anders“, verteidige ich mich halbherzig und grinse.

„Ha ha“, entgegnest du zynisch.

Verstehst du wirklich keinen Spaß, oder willst du bloß nicht? Gern kannst du Gleiches mit Gleichem vergelten, aber du weigerst dich stur. Also beschränke ich mich missmutig darauf, dich zu füttern… was auch seinen Reiz hat. Du hast so einen schönen Mund…

Während ich stumm beobachte, wie du sorgfältig kaust, frage ich mich, wo deine Leidenschaft für Laures herkommt und ob du wirklich in ihn verliebt bist. Du bist nichts weiter als eine schöne, geschickte Marionette für ihn, der sich in seine Traurigkeit einhüllt wie in einen Mantel, weil seine Elise wegen ihm starb. Ja, auch ich kenne die Geschichte, und ich gönne ihm das Leid, das er empfindet, weil in EINEM MaKai für uns beide kein Platz ist.

Warum? Alles wonach ich strebe, ganz gleich was, dieser halbmenschliche Bastard besitzt es schon. Ihm gehört das Reich, die Macht, die Anerkennung, er hat die Wiedergeburt seiner Liebsten, und er hat DICH. Mir bleibt nur der Staub unter seinen Stiefeln.

Und du hast Schachrade gespielt, als du mich befreitest, hast keinen einzigen Gedanken an dein Werkzeug verschwendet, das du mit deiner Schönheit und deinen Lügen betörtest, bis du hattest, was du wolltest. Ich hasse dich dafür.

Nein. Genau das ist das Problem.

Aber ich verabscheue mich dafür, dass ich es nicht kann. Gefangen in einer Spirale aus Hass und Lust, Bedauern und Liebe kann ich nichts tun, außer mich der Illusion hingeben, dass du irgendwann selbst erkennst, wieviel mehr echte Zuneigung einem Herrscher vorzuziehen ist, dessen Ziele das Reich nicht betreffen...

„Du schweifst mit deinen Gedanken ab, während ich in deiner unmittelbaren Nähe bin?“, spottest du leise. „Das ist ungewöhnlich für dich.“

Es tut weh, wenn man sich ignoriert glaubt, hm? Wenn ich noch andere Dämonenengel sehen würde, wären die dann auch so schön wie du? Was hast du an dir, dass es mich gerade nach dir verlangt? War es die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick?

Ich merke, wie sich meine Lippen zu einem Lächeln verziehen, spüre wieder die Verführung, deiner leichten Last auf meiner bloßen Haut, das erregte Kribbeln, das meinen Körper erwartungsvoll durchläuft, bis hin zu den Zehenspitzen. Fragend streichen meine Hände deinen Rücken hinunter, bis hin zu deiner entzückenden Kehrseite.

Sie bleiben dort liegen, knapp über deinen Schenkeln, und du schließt verlegen die Augen. Gekränkt über deine Ablehnung bleibe ich so lange still liegen, bis du etwas sagst...

Allerdings hätte ich wissen müssen, dass deine Geduld beharrlicher ist als meine, und so hebe ich meine Linke und streiche damit vorsichtig durch die schimmernden, weißen Federn deines Flügels. Du kannst mit ihnen töten... sind sie auch scharf? Nein, aber unheimlich flauschig. Ich bin so damit beschäftigt, diesen Gegensatz von Schönheit und Gefahr zu erforschen, dass ich das leichte Beben, das deine zierliche Gestalt durchläuft, beinah nicht bemerke. Ein kaum wahrnehmbares schnurrendes Geräusch aus deiner Kehle verrät dich – und mir, wie empfindlich die großen Schwingen sind, von denen ich dir im Zorn eine nahm.

Dein Kopf liegt zu Seite gewandt auf meiner Brust, trotzdem sehe ich, wie du dir verstohlen die Lippen leckst. Lust auf mehr? Lass es mich wissen...

Was geschieht, wenn ich mit zwei Fingern deine Wirbelsäule hinabfahre? Ganz, ganz langsam... Du windest dich auf mir wie eine Schlange, reibst jeden Zoll deines Körpers gegen meinen und stöhnst leise. Meine Klaue liebkost immer noch deinen intakt gebliebenen Flügel, und deine Hände krallen sich rechts und links neben meinem Kopf in den Boden. Dem feinen Schweiß, den ich auf deinen Oberarmen und deiner Schulter sehe, geht der Geruch von Sahne, Eis und Wind aus, dein Geruch, den ich zu begehren gelernt habe. Mmmmmh...

Meine Lust, dich ein zweites Mal zu nehmen, wächst. Nachdem ich mich dir immer aufgezwungen habe, ist das hier eine reizvolle Entdeckung, denn trotz deiner kalten Fassade sehnst du dich wohl doch nach der Ekstase, der deine Sinne jetzt entgegenfiebern. Ich hätte nicht gedacht, dass die Flügelansätze von Dämonenengeln so empfindlich sind. Wie lange wird dich dein Stolz noch davon abhalten, mir zu sagen, was ich machen soll? Dein Atem geht zischend, wenn du ihn zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorstößt, und ich höre den salzigen Felsboden zwischen deinen Fingern knirschen, als du deine schmalen Hände zu Fäusten ballst.

Aufgeheizt küsse ich dich, und du lässt es zu. Wie lange hältst doch noch durch? Mmh... Pfirsich und Teteiii...

Völlig perplex registriere ich, wie deine Hände plötzlich meinen Kopf festhalten und DU die Führung übernimmst. Mein eiskalter Engel, dein Atem ist heiß, die Bewegungen deiner Hüften hektisch, du plünderst mit deiner Zunge meinen Mund, mit einer Raffinesse, die ich nie erwartet hätte. Ein sinnliches Vergnügen, dem ich mich zuerst verblüfft, dann begeistert ergebe. Ich bin hilflos, es ist, als würdest du das Leben selbst aus mir trinken.

Und wenn schon. Scheiß drauf.

Wie jemand, der ertrinkt, versucht, seinen Kopf aus dem Wasser zu strecken, zerrst du deinen ebenfalls hoch, unseren Kuss abrupt unterbrechend und laut keuchend. Was hast du? Plötzlich erstarrt deine ganze Gestalt, und du blickst aus unergründlich schimmernden Augen auf mich herab, die Porzellanwangen gerötet.

„Ist es das, was du willst?“, fragst du heiser.

Ein Schauder rieselt mir über den Rücken, eine ungute Vorahnung.

„Einen leidenschaftlichen Engel?... Ist das der Grund... weshalb du mich nicht sterben lässt, obwohl du mich bereits zweimal getötet hast?“

Deine Worte können schlimmer sein als Peitschenhiebe, weißt du das? Versuchst du, mich ihnen zu verletzen, so wie ich dich verletzt habe?! WAR DAS ALLES EBEN NUR GESPIELT, UM MIR ZU GEFALLEN?!?

So kalt und berechnend kannst nicht mal du sein.

Ich überlege flüchtig, ob ich dir eine runterhauen, dich vergewaltigen oder dir den Kopf, beziehungsweise auch noch den zweiten Flügel abreißen soll. Was habe ich getan, um von Anfang an so von dir behandelt zu werden...?

Bevor ich mir noch etwas anderes überlegen kann, habe ich dich mit einer einzigen Drehung auf die Knie befördert, ziehe grob deine Hüften an meine und spieße dich regelrecht auf. Liebe, Wut und Sex sind eine explosive Mischung, und ich stoße wie von Sinnen in deinen widerstandslosen Körper, so heftig, dass du fast nach vorne umkippst. Du schreist nicht einmal, keuchst nur.

Blut läuft deine hellen Schenkel hinunter – es kümmert mich nicht. Deine Knie und Handflächen werden aufgescheuert sein – na und? Du hast den Kopf gesenkt, weshalb ich dein Gesicht nicht mal ansatzweise sehen kann... als ich erneut meinem Samen in dich pumpe, reiße ich dich an deinen silbernen Haaren hoch zu mir und zerdrücke deine Lippen mit meinen, wie die Blütenblätter einer gottverdammten Blume.

Dann stoße ich dich stoisch stillhaltendes Ding angewidert von mir, weder besänftigt noch zufrieden, aber erschöpft und verletzt. Wie ein ramponiertes Spielzeug liegst du da, geschändet, schmutzig und am ganzen Leib zitternd wie Espenlaub. Wieder bleibt dein Gesicht unter dem Schleier deiner Haare verborgen.

„Du fragst, was ICH will?“, knurre ich dich an, auch wenn du nicht auf meine Worte reagierst. „Ich will deinen verfluchten Laures tot sehn...“ Jetzt schrickst du zusammen. „Und ich will DICH! Alles von dir, keine halben Sachen! Was ist daran so schwer zu verstehen, dass du immer wieder fragst?!“

Dich.

Dich!

DICH, verfickte Scheisse...

Nicht bloß deinen zerbrechlichen Körper, der jede Sünde, jedes Opfer und jedes Verbrechen wert ist, sondern auch deine Loyalität und deine Liebe. Dass deine Augen aufleuchten, wenn sie MICH sehen! Ich weiß selbst, dass es sinnlos ist, darauf zu hoffen und zu warten, aber wenn ich mit ihm fertig bin, wird es keinen Laures mehr geben!

Zähneknirschend stehe ich auf und kämpfe mich in meine Hose, Stiefel und Rüstung, weil ich zurück in die NingenKai muss. Du liegst immer noch da wie weggeworfen, und dein Anblick bekümmert mich mehr, als du ahnst... Morgen werde ich kurz vor Sonnenuntergang wiederkommen, mit Karôns Blume, dem Mantel und Gewand und übermorgen wird es wieder eine Blume sein, die dir einen weiteren Tag Leben gewährt. Und danach... irgendwann...

Ganz gleich, was passiert, diese Nähe, die Intimität dessen, was hier in diesem Ödland geschehen ist, wird uns niemand nehmen können. Und der Schmerz, den wir einander zugefügt haben, wird dafür sorgen, dass wir sie nie vergessen werden.

Just a little bit more love
Just a little bit more passion
This is how it should begin
Skin on Skin...
Just a little gettin’ close
Just a little more affection
'Cause I don’t think it’s a sin
Skin on Skin... *

~ Owari ~

Songtext "Skin on Skin" von Sarah Connor